Corona bremst die Klimawende

Die energiebedingten CO2-Emissionen der G20-Staaten sind 2019 erstmals leicht gesunken. Allerdings könnten die Konjunkturhilfen in der Coronakrise eine echte Trendwende zu sinkenden Emissionen erschweren.


Stau auf der Autobahn.
Stau im Autoland Deutschland: Viel Individualverkehr mit großen Verbrennungsmotoren führt zu hohem CO2-Ausstoß. (Foto: Gerhard Gellinger/​Pixabay)

Bislang sind die weltweiten CO2-Emissionen von Jahr zu Jahr gewachsen – trotz aller Bekenntnisse und Vorhaben zum Klimaschutz. Nun deutet sich erstmals eine Trendwende an.

2019 sind die energiebedingten CO2-Emissionen der G20 erstmals minimal gesunken. Dem Climate Transparency Report zufolge sanken die Energie-Emissionen der 20 größten Industrie- und Schwellenländer um 0,1 Prozent – ohne dass dafür eine Wirtschaftskrise verantwortlich gewesen wäre.

Den Bericht haben 14 Forschungsinstitute und Nichtregierungsorganisationen am heutigen Mittwoch vorgelegt. Noch 2018 war der CO2-Ausstoß der G20 um 1,9 Prozent gewachsen. 

Vor allem die Energiewende hat zu der Entwicklung beigetragen. 2019 lag der Anteil der erneuerbaren Energien beim Strom in der G20 bei beinahe 28 Prozent. Aber auch der Rückgang bei der Nutzung von Kohle um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr ließ die CO2-Emissionen sinken.

Allerdings fürchten die Autor:innen des Berichts, dass die Konjunkturhilfen, die in diesem Jahr der schwächelnden Wirtschaft durch die Corona-Pandemie helfen sollen, die CO2-Emissionen wieder in die Höhe treiben könnten.

"Die Wiederaufbauprogramme nach der Corona-Pandemie bieten nun die große Chance, den dringend nötigen Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu beschleunigen", sagte Jan Burck von der Entwicklungsorganisation Germanwatch.

"Doch bisher müssen wir feststellen: Fossile Energien gehören in vielen Ländern zu den Profiteuren der Billionen-starken Konjunkturprogramme." Damit drohten die G20-Staaten die in den letzten Jahren schnell gewachsenen Marktchancen für erneuerbare Energien zu verspielen, warnte Burck.

Krisenhilfe für fossile Branchen

So unterstützt die Hälfte der G20-Staaten mit ihren Konjunkturpaketen die heimische Kohle- oder Gasindustrie. Neun von G20-Staaten haben laut Bericht Programme aufgelegt, die der Ölindustrie zugutekommen.

Drei Viertel der Länder haben nationale Fluggesellschaften mit Konjunkturhilfen unterstützt. Lediglich Frankreich hatte diese Hilfen an Auflagen für Klimaschutz geknüpft – wenn auch an schwache. Zudem haben die Staaten ihre Automobilindustrie – mit Ausnahme von Frankreich und Deutschland – ohne Klimavorgaben gestützt.

"Die EU und Deutschland binden zwar Teile ihrer Konjunkturhilfen an Klimakriterien", sagte Burck. Allerdings gebe es Schwächen bei der Umsetzung. "Noch wird die Klimafreundlichkeit der Investitionen nicht an den Kriterien der EU-Taxonomie – des stringenten EU-Prüfrahmens für nachhaltige Investitionen – gemessen", so der Klimaexperte.

Außerdem müsse immer gewährleistet sein, dass Konjunkturhilfen, die nicht direkt dem Klimaschutz dienen, zumindest nicht Klima- und Umweltziele gefährden. Das sei bislang nicht der Fall.

Die Warnungen im jetzt veröffentlichten Climate Transparency Report gleichen denen in einem Bericht zu den fossilen Subventionen der G20, der in der vergangenen Woche veröffentlicht worden war. Demnach haben die G20-Regierungen seit Beginn der Pandemie Subventionen von mindestens 233 Milliarden US-Dollar an Sektoren mit hohem Anteil fossiler Brennstoffe gezahlt. 

Die Autor:innen des neuen Reports schätzen, dass die energiebedingten CO2-Emissionen der G20 durch die Coronakrise in diesem Jahr um 7,5 Prozent sinken werden. Allerdings sei zu erwarten, dass sie im kommenden Jahr wieder deutlich ansteigen.

Deutschland zurückgefallen

Das reicht nicht für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens. Damit die weltweite Durchschnittstemperatur nicht 1,5 Grad übersteigt, müsste neben einem schnellen Ausbau der Ökoenergien auch der Ausstieg aus den fossilen Energien deutlich beschleunigt werden.

"Deutschland ist hier schlechter als die Mehrheit der EU-Staaten", sagte Kai Bergmann, Experte für deutsche Klimapolitik bei Germanwatch. "Der beschlossene Kohleausstieg erfolgt zu langsam und nicht stetig." Beispielhaft seien hier Kanada, Großbritannien, Frankreich und Italien, deren Kohleausstieg mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar sei.

Neben dem späten Kohleausstieg bemängelt der Bericht auch die steigenden Emissionen Deutschlands im Verkehr. Im Fünf-Jahres-Trend waren hierzulande die Emissionen in dem Sektor zuletzt sogar um 4,4 Prozent gestiegen. Zudem fehlt in Deutschland noch ein Ausstiegsdatum für Pkw mit Verbrennungsmotor. Auch die Emissionen im Luftverkehr stiegen vor Corona noch um zehn Prozent. 

Im Gebäudesektor liege Deutschland zwar im G20-Vergleich bei der Energieeffizienz im Neubau vorne, heißt es im Report, aber die energetische Sanierung bei älteren Gebäuden verlaufe für das Klimaneutralitätsziel zu schleppend.

Insgesamt sind die G20-Länder noch nicht auf einem stabilen Weg zur Klimaneutralität bis 2050. In den meisten Staaten stimmen die Rahmenbedingungen und damit die Investitionen nicht mit den langfristigen Klimazielen überein. Deutschlands Beitrag zum internationalen Klimaziel bewertet der Bericht denn auch als höchst unzureichend.

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