CO₂-Wert steigt, Nährwert sinkt

Mehr Kohlendioxid in der Luft regt das Pflanzenwachstum an – solche Studien haben Gegner von Klimapolitik und Energiewende stets dankbar aufgenommen. Nun zeigt eine Harvard-Studie, dass die steigende CO2-Konzentration den Nährstoffgehalt hunderter Nahrungspflanzen verringern wird.


Weizenfeld
Bei steigendem CO2-Gehalt in der Luft verliert der Weizen an Eiweißgehalt. (Foto: Olli Henze/​Flickr)

Nicht nur durch Dürre und Hitze erschwert der Klimawandel die Ernährung – eine steigende CO2-Konzentration wirkt sich auch negativ auf den Nährstoffgehalt hunderter Nahrungspflanzen aus. Das ergab eine jetzt veröffentlichte umfangreiche Studie der Harvard School of Public Health in Boston.

Für die Studie untersuchten Forscher der Harvard-Gesundheitshochschule, wie sich für die menschliche Ernährung wichtige Anbaupflanzen wie Getreide und Hülsenfrüchte bei einer deutlich steigenden CO2-Konzentration verhalten.

Bisherige Studien hatten zumeist festgestellt, dass mehr CO2 in der Luft vor allem das Pflanzenwachstum anregt – bis zu einer bestimmten Grenze. 

Die Harvard-Forscher gingen ihrerseits davon aus, dass sich – selbst wenn die Welt große klimapolitische Fortschritte macht – die atmosphärische CO2-Konzentration in den nächsten 30 bis 80 Jahren von derzeit etwa 405 ppm (parts per million) auf 550 ppm erhöht. Schon früher hatten sie eigene Freilandversuche mit Feldfrüchten in einer 550-ppm-Atmosphäre angestellt.

Bei einer so hohen CO2-Konzentration, ergab nun die auf 225 Nahrungspflanzen in 151 Ländern erweiterte Studie, sinkt in vielen Pflanzen der Gehalt von Eiweißen sowie der Spurenelemente Eisen oder Zink spürbar – um drei bis 17 Prozent. Eiweiß, Eisen und Zink gehören zu den zentralen Bausteinen menschlicher Ernährung. Einen Großteil davon nehmen die Menschen mit dem pflanzlichen Anteil an ihrer Ernährung zu sich.

Nach den Ergebnissen der Forscher würden damit in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zusätzlich 175 Millionen Menschen – fast zwei Prozent der Weltbevölkerung – von Zinkarmut und weitere 122 Millionen von Eiweißarmut betroffen sein.

Für mehrere Milliarden Menschen, die schon jetzt unter einer mangelhaften Versorgung mit diesen Nährstoffen leiden, würde sich die Lage weiter verschlechtern. Besonders betroffen wären Frauen und Kinder in Südasien, aber auch in Südostasien, Afrika und dem Nahen Osten, wo Mangelernährung vielfach schon heute ein großes Problem ist.

Der Leitautor der Studie, Harvard-Forscher Samuel Myers, warnt deshalb: "Heutige Entscheidungen, wie wir unsere Häuser heizen, was wir essen, wie wir uns fortbewegen und was wir kaufen, machen unsere Lebensmittel künftig weniger nahrhaft und gefährden die Gesundheit kommender Generationen." Die Studie erschien Anfang der Woche im Fachmagazin Nature Climate Change.

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