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Bäume pflanzen gegen den Neoliberalismus

Naomi Klein will der jungen Generation erklären, wie sie "die Zukunft retten" und den Klimawandel bekämpfen kann. Die Beispiele in ihrem neuen Buch "How to Change Everything" sind stark, aber der Band hat auch Schwächen.


Selbstgeschriebens antikapitalistisches Plakat an einem provisorischen Zaun nahe der Stadtbibliothek von Vancouver.
"Zerstöre den Kapitalismus, bevor er den Planeten zerstört", rät dieses Plakat im kanadischen Vancouver. Naomi Klein will zwar nur einen "Green New Deal", ihre Bücher kommen aber genauso plakativ daher. (Foto: Michal Urbanek/​Shutterstock)

Umgeknickte Stromleitungen und Verkehrsschilder, Straßen, die von Wasser und Schutt unpassierbar sind. Als die kanadische Journalistin Naomi Klein zwei Wochen nach dem Hurrikan Katrina im US-amerikanischen New Orleans eintrifft, ist es immer noch schwierig, sich dort zu orientieren. Sie und ihr Kamerateam, mit dem sie Situation in der Stadt dokumentieren will, verfahren sich im Dunkeln.

Hurrikans wie Katrina sind nicht nur Naturkatastrophen, sie werden durch den menschengemachten Klimawandel wahrscheinlich zerstörerischer. Aber auch die Folgen des Wirbelsturms wurden durch menschliche Entscheidungen verschlimmert.

Denn das System aus Dämmen, das die Stadt vor Überflutungen schützen sollte, war kaputtgespart worden. In Gebieten, in denen Afroamerikaner und Afroamerikanerinnen lebten, war es besonders alt und defekt. Katrina zeigte den strukturellen Rassismus und die gesellschaftliche Ungleichheit und verstärkte beides noch.

Für Naomi Klein ist dies "ein wirklich krasses Beispiel für Klimaungerechtigkeit". Gemeinsam mit der Autorin Rebecca Steffof beschreibt sie in ihrem neuen Buch mit dem ehrgeizigen Titel "How to change everything: Wie wir alles ändern können und die Zukunft retten", wie aus ihrer Sicht die Klimakrise mit gesellschaftlichen Problemen zusammenhängt.

Sie beginnt im Hier und Jetzt und beschreibt sowohl die Entstehung der Fridays-for-Future-Proteste als auch die spürbaren Folgen des Klimawandels. Natürlich ist klar, dass die Klimakrise schon da ist. Es ist trotzdem erschreckend, die geballte Aufzählung der durch den Klimawandel wahrscheinlicher gewordenen Katastrophen im Jahr 2019 weltweit zu lesen: Rekord-Eisschmelze in der Antarktis, Großbrände in Australien, Zyklone in Asien.

Beispiele für erfolgreichen Klimaprotest

Aber der Kapitalismuskritikerin Klein, die mit Büchern wie "No Logo" und "Die Schock-Strategie" bekannt wurde, reicht es nicht, auf naturwissenschaftlicher Ebene über Auslöser und Folgen des Klimawandels zu sprechen. Denn sie beschreibt anschaulich, wie mit der Verbreitung der Dampfmaschine die Nutzung von fossilen Brennstoffen in großem Ausmaß begann und die Vorstellung, der Mensch könne sich aus der Natur alles nehmen, was er will, sich immer weiter verbreitete.

Die Perspektive der Klimagerechtigkeit nimmt Klein ernst. Sie berichtet von Menschen im globalen Süden, die schon heute viel stärker als der Norden von der Krise betroffen sind und dagegen protestieren.

Der Kapitalismus schaffe außerdem "Opferzonen" dort, wo Menschen direkt unter den Umweltfolgen etwa des Bergbaus leiden. Mittlerweile aber, schreibt Klein, lebten wir alle in der Opferzone.

Klein will uns aber nicht entmutigen. Sie erzählt mit Fokus auf die USA, was die Umweltbewegung schon alles erreicht hat, und wirbt für den Green New Deal der US-Demokraten, der Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit verbinden will.

Wohl auch durch Mitwirken von Rebecca Steffof werden komplizierte Sachverhalte mit einfachen Worten erklärt, die Leserinnen und Leser werden geduzt, Kapitel werden durch Fotos und Infokästen aufgelockert, die meist Beispiele von erfolgreichem Aktivismus schildern.

Klein vermischt Fakten und Meinungen

Das Buch dürfte als eine Art Zusammenfassung einiger ihrer vorherigen Bücher ("Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima", "Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann") für eine jugendliche Zielgruppe gedacht sein, der Verlag preist es gar als "Must-have für alle, die für die Einhaltung der Klimaziele demonstrieren".

Der erklärende Tonfall wirkt teilweise etwas herablassend. Dass wegen der Corona-Pandemie Schulen geschlossen waren, dürften nun wirklich alle Schülerinnen und Schüler mitbekommen haben. Auch Kleins Kritik am Neoliberalismus wäre noch überzeugender, wenn zwischen Fakt und Meinung unterschieden würde und Behauptungen mit Quellen belegt würden.

Ihre Grundüberzeugungen sind durchaus universell gemeint, in vielem dürfte sie damit recht haben. Dass erneuerbare Energien erfolgreicher sind, wenn die Menschen vor Ort selbst davon profitieren, dürfte etwa gleichermaßen auf die Cheyenne in den USA und auf Gemeinden in Deutschland zutreffen.

Das Buch

Naomi Klein und Rebecca Steffof: How to Change Everything. Wie wir alles ändern können und die Zukunft retten. Hoffmann und Campe, Hamburg 2021. 255 Seiten, 18 Euro.

Allerdings ist Klein überzeugt davon, dass sich alle Regierungen der reichen Länder früher oder später mit dem Green New Deal auseinandersetzen müssen.

Doch sind ihre Forderungen für alle Länder sinnvoll? Wie passt der "European Green Deal" der EU dazu? Diese Fragen bleiben offen, und das Buch bietet damit wenig Anknüpfungspunkte für die Debatte etwa in Deutschland.

Trotzdem hat es seinen Wert für junge Menschen, die nach Argumenten suchen, warum sie sich für eine bessere Zukunft engagieren sollen. Ihnen liefert Klein viele motivierende Beispiele aus der ganzen Welt und einen "Werkzeugkasten" für Aktivismus.

Und eine Botschaft, vielleicht die wichtigste: Fehler passieren, und wer demonstriert, muss nicht alles schon wissen. Das Wichtigste ist, anzufangen.

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