Parole Entschottern

Schottergärten stören nicht nur den Wasserhaushalt und den kommunalen Frieden, sie erfordern auch deutlich mehr Pflegeaufwand als gedacht. Könnte dies ein Argument sein, das auch eherne Fans umdenken lässt?


Sogenannter Schottergarten mit Kieselsteinen in einem kleinen Vorgarten, zwischen den Steinen wachsen verschiedene Pflanzen.
Nach ein paar Jahren haben Schottergärtner meist die Wahl: Immer wieder abflämmen, illegal Gift spritzen, einfach wachsen lassen – oder alles neu? (Foto: B. Birke/​Wikimedia Commons)

Das Schottergarten-Verbot schlägt Wellen. Darf ein Vorgarten nur aus Steinen, Schotter oder Kies bestehen?

In einigen Bundesländern, darunter Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt, gilt das Verbot schon generell. Doch auch anderswo untersagen immer mehr Kommunen das Anlegen komplett versiegelter Flächen.

Das fränkische Erlangen zum Beispiel hat den Klimanotstand ausgerufen und in diesem Zusammenhang eine Freiflächen-Gestaltungssatzung verabschiedet, die Vorgaben macht, wie grün die Vorgärten gestaltet werden müssen.

Im "Ländle" im Südwesten der Republik, wo das Verbot per Landesnaturschutzgesetz bereits seit über einem Jahr gilt, wird nun darüber debattiert, ob auch bereits bestehende Schottergärten zurückgebaut werden sollen.

Das grün geführte Umweltministerium ist dafür, setzt aber, angeblich mangels rechtlicher Möglichkeiten, auf Freiwilligkeit.

Das CDU-Bauministerium hingegen will das Thema lieber gar nicht anpacken. "Was wir nicht brauchen, ist jetzt so eine Art Gartenpolizei, die vor Ort schaut, wo ist ein Schottergarten", lässt Ministerin Nicole Razavi verlauten.

Befürworter der Schottergärten finden diese nicht nur einfach zu pflegen, sondern auch ästhetisch und schön. Die Gegner sprechen von "Gärten des Grauens", warnen vor der Vernichtung von Lebensraum für Insekten und Vögel sowie vor einer weiteren Aufheizung der Städte.

Gar nicht pflegeleicht

Zum Glück gibt es Anzeichen, dass auch eherne Schotterfans umdenken können. Denn anders als vermutet machen die pflanzenlosen Flächen ja durchaus Arbeit, soll dauerhaft ein gepflegter Eindruck erhalten bleiben.

Der Grund: Das Unkrautvlies unter der Kies- oder Steinschicht, das das Wachsen unerwünschter Pflanzen verhindern soll, setzt sich allmählich mit angewehtem Material zu.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Die Folge: Grün wächst trotzdem, und das Vlies lässt nur noch schlecht Wasser durch. So können sich Algen auf den Steinen bilden, die nur aufwendig zu entfernen sind.

Zudem: Bei Starkregen kann es am Haus zusätzliche Probleme geben, weil Versickerungsfläche fehlt.

Was getan werden kann, zeigt zum Beispiel Gartenberater Philippe Dahlmann aus Dortmund. Mit seinen Seminaren unter dem Titel "Rettet den Vorgarten" hat er bereits über 1.000 Gartenbesitzer zum "Entschottern" bewegt. Zur Nachahmung empfohlen.

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