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Ein Viertel der russischen Gasimporte einsparen – bis 2030

Wärmepumpen, Fernwärme, Solarthermie: Mit etablierten Technologien könnte Europa laut einer Studie bis 2030 auf 25 Prozent russischer Erdgasimporte verzichten. Das schützt das Klima, erhöht die Energiesicherheit und schont den Geldbeutel. Denn auch die Wirtschaft würde profitieren.


Blick durch leere große Röhren, die zu einer Pipeline zusammengeschweißt werden sollen
Europa heizt vor allem mit Gas. Mit Wärmepumpen, Fernwärme und Solarthermie könnte diese Abhängigkeit reduziert werden. (Foto: Harald Hoyer/​Wikimedia Commons)

Bis 2030 könnten die EU-Staaten und Großbritannien ein Viertel der russischen Gasimporte einsparen – allein indem private Haushalte saniert und elektrifiziert werden. Das ist das Ergebnis eines Berichts der European Climate Foundation und der European Alliance to Save Energy (EU-ASE), basierend auf einer neuen Studie von Cambridge Econometrics.

Europa könnte demnach die Ausgaben für Gasimporte bis 2030 um 15 Milliarden Euro und bis 2050 um 43 Milliarden Euro verringern. Damit würde die Energiesicherheit in Europa steigen, während Haushalte gleichzeitig vor hohen Energiepreisen geschützt werden.

Den Großteil der Heizwärme produziere Europa zurzeit noch mit fossilen Energien, kritisieren die Autor:innen des Berichts. Es dauere außerdem zu lange, Energie-ineffiziente Häuser zu sanieren.

"Die sicherste und klimafreundlichste Energie ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen", kommentierte Monica Frassoni, Präsidentin der EU-ASE. "Jedes Prozent mehr an Energieeffizienz führt zu einer Reduzierung der Gasimporte um 2,6 Prozent."

Es sei vor allem wichtig, auf bereits etablierte Technologien zu setzen, schreiben die Autor:innen. Als wettbewerbsfähige Optionen kämen Wärmepumpen, Fernwärme und Solarthermie infrage – einfach, weil sie günstig sind. Heizen mit grünem Wasserstoff sei dagegen durch hohe Energiekosten die teuerste Technologie.

Studie sieht wirtschaftliche Vorteile

Häuser zu sanieren und zu elektrifizieren, würde dabei nicht nur Gasimporte verringern, sondern hätte auch "massive Vorteile für die europäische Wirtschaft". Bis 2050 entstehen demnach rund 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze, vorwiegend im Bau- und Energiesektor. Die Wirtschaft erhalte einen Booster, sodass das Bruttoinlandsprodukt der EU-Staaten und Großbritanniens um ein Prozent steigen könnte.

Außerdem würden Energierechnungen gesenkt und damit das verfügbare Einkommen von armen Haushalten gesteigert. So könnten die privaten Ausgaben für Energie bis zur Mitte des Jahrhunderts halbiert werden.

Für Andreas Graf, Experte für europäische Energiepolitik beim Thinktank Agora Energiewende, zeigt die Studie, dass Erdgasheizungen schon vor Putins Angriff auf die Ukraine ökonomisch nicht sinnvoll waren. "Die wirtschaftlichen Argumente für das Zusammenspiel von Effizienz, Wärmepumpen und Fernwärme sind jetzt so deutlich wie nie."

Europa müsse schnell und entschlossen handeln, fordert Graf, um Energiesicherheit, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz zu verbinden.

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