Wind-Einbruch, bayerische Widersprüche und das Dauerblinken in der Nacht

Kalenderwoche 46: Dass die Bundesregierung die geplanten Sonderausschreibungen für Erneuerbare auf den Weg gebracht hat, ist eine gute Nachricht, sagt Jens Mühlhaus, Vorstand beim Ökostrom-Anbieter Green City und Mitherausgeber von Klimareporter°. Allerdings bringt das neue Energiesammelgesetz neue Unsicherheiten für die Branche.


Jens Mühlhaus. (Foto: Dominik Parzinger)

Immer wieder sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Jens Mühlhaus, Vorstand beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Green City AG.

Klimareporter°: Herr Mühlhaus, die Solarbranche übt Kritik am Energiesammelgesetz. Welche Auswirkungen sehen Sie für die Windbranche?

Jens Mühlhaus: Dass die angekündigten Sonderausschreibungen für Solar- und Windparks nun tatsächlich kommen, ist natürlich eine gute Nachricht. Doch neben der geplanten Solarkürzung gibt es auch für die Windkraft einen Stolperstein.

Für Betreiber wird nach dem Energiesammelgesetz eine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung vorgeschrieben. Das bedeutet, dass Windräder nur dann die Lichter einschalten, wenn sich ein Luftfahrzeug nähert. Ein richtiger Ansatz, um die Akzeptanz vor Ort zu erhöhen. Viele Menschen empfinden das Dauerblinken in der Nacht als störend.

Ein Vorstoß, der sich auf den ersten Blick richtig und simpel anhört, auf den zweiten hat er jedoch eine größere Dimension.

Denn der Einsatz dieser Technologien steckt noch in den Kinderschuhen. Von einer kostengünstigen Serienlösung für alle Windenergieanlagen sind wir noch meilenweit entfernt. Die Betreiber werden mit dieser neuen gesetzlichen Verpflichtung komplett überrollt, denn der Einsatz gilt nicht nur für neu errichtete Windkraftanlagen, sondern auch für Bestandsanlagen, die nachgerüstet werden sollen.

Das ist eine Nachjustierung, die in keiner Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigt wurde. Auch wenn das Gesetz Spielraum für Ausnahmen lässt, wird ein Finanz- und Arbeits-Aufwand auf die Branche zukommen, der so nicht einkalkuliert war.

Gerade hat doch der wirtschaftliche Einbruch der Windbranche – resultierend aus den Ausschreibungsregularien im vergangenen Jahr – gezeigt, wie ausgeliefert der Windmarkt den politischen Rahmenbedingungen noch ist. Mit nur einem einzigen Satz in einem Gesetz, das eigentlich Stabilität bringen soll, steht da schon die nächste Unsicherheit vor der Tür.

Green City hat kürzlich das Investitionsverhalten von Männern und Frauen verglichen. Was kam raus?

Wir beobachten schon seit Längerem einen stetigen Zuwachs an Frauen, die sich an unseren Finanzanlagen beteiligen. Dies widerspricht vielen Statistiken, nach denen Frauen das Thema Finanzen lieber Männern überlassen. Das hat uns angetrieben zu schauen, warum Green City eigentlich für Frauen so interessant ist.

Die Antwort ist eigentlich recht simpel. Im Gegensatz zu Männern, die vorrangig auf Renditen und Laufzeiten schauen, gibt es für Frauen eine weitere wichtige Komponente: die Werthaltigkeit. Was bewirke ich mit meiner Geldanlage? Frauen wählen anders aus: Neben Zahlengebilden sind ihnen die greifbaren Projekte äußerst wichtig. In was investiere ich eigentlich?

Gleichzeitig haben wir beobachtet, dass unsere Informationsveranstaltungen, die wir in regelmäßigen Abständen in München organisieren, sehr männerlastig sind. Deswegen haben wir uns dafür entschieden, eine Themenreihe allein für Frauen aufzulegen.

Wir wollen in einer männerdominierten Finanzwelt einen Raum schaffen, in dem sich Beraterinnen, interessierte Anlegerinnen und unsere Mitarbeiterinnen auf Augenhöhe begegnen können und wo individuelle Fragen beantwortet werden.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Dass die Freien Wähler in Bayern nicht an ihren Ambitionen zur Abschaffung der windkraftfeindlichen 10-H-Regelung, die sie vor der Wahl noch hatten, in den Koalitionsgesprächen mit der CSU festgehalten haben, konnte man vielleicht schon erahnen.

Überraschend fand ich diese Woche dann aber eine Aussage des neuen bayerischen Umweltministers Thorsten Glauber. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sprach er sich gegen die Kohleverstromung und für den Umstieg auf die erneuerbaren Energien aus. Im gleichen Atemzug hat er auch den Ausbau der bayerischen Windenergie in den Fokus gerückt. Statt auf Stromtrassen möchte er auf dezentrale Lösungen setzen.

Offen bleibt für mich, wie dies mit dem Einverständnis im Koalitionsvertrag zusammenpasst, in dem die Regierungsparteien an der bayerischen Rechtslage im Ausbau der Windenergie festhalten wollen. Das müsste Herr Glauber dann doch noch mal genauer erläutern: Wie passen dezentraler Ausbau der erneuerbaren Energien und die 10-H-Regelung in der Praxis zusammen?

Fragen: Susanne Schwarz

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