USA sind nun größter Ölproduzent der Welt

Vor Kurzem wurde noch über einen Ölpreis von 100 Dollar spekuliert. Nun ist er in sechs Wochen um knapp ein Viertel abgestürzt und es stellt sich die Frage, wie tief er noch fallen wird. Entschieden wird dies auch von den Launen eines Mannes: US-Präsident Donald Trump.


Exxon-Ölraffinerie bei Nacht
Exxon-Raffinerie bei Chicago: Inzwischen sind die USA der größte Produzent von Öl in der Welt. (Foto: Keith Knasiak/​Flickr)

Die Inflation in Deutschland ist im Oktober auf ein Zehn-Jahres-Hoch gestiegen: 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür waren inbesondere die hohen Energiepreise. Anfang Oktober lag der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent bei 86 US-Dollar.

Doch seither ist der Preis auf 67 Dollar abgestürzt – ein Minus von 22 Prozent. Für den plötzlichen Einbruch gibt es drei Gründe: das Angebot, die Nachfrage und die US-Sanktionen gegen den Iran.

Zuerst zu den Sanktionen, denn diese hatten mit dazu geführt, dass der Preis überhaupt erst auf 86 Dollar gestiegen ist. Die USA haben im Mai angekündigt, sich aus dem Atomabkommen zwischen dem Iran, den USA und der EU zurückzuziehen und wieder Sanktionen einzuführen. Diese traten am 4. November in Kraft.

Da waren die iranischen Ölexporte bereits von 2,8 Millionen Barrel pro Tag im April auf noch 1,8 Millionen gefallen und der Markt erwartete einen weiteren Rückgang auf noch eine Million Barrel. Folglich stiegen die Preise.

Doch dann kam die Überraschung: Acht Länder dürfen für weitere sechs Monate Öl aus dem Iran importieren, ohne von Washington dafür abgestraft zu werden. Diese acht Länder nehmen dem Iran rund drei Viertel seiner Ölexporte ab. Dabei handelt es sich um China, Indien, Südkorea, Japan, Italien, Griechenland, Taiwan und die Türkei.

US-Fracking-Industrie weitet Produktion aus

US-Präsident Donald Trump sagte zu den Ausnahmen: "Ich könnte Irans Öl sofort auf null bringen, aber das wäre ein Schock für den Markt. Ich will die Ölpreise nicht anheben."

Damit war plötzlich mehr Öl im Markt als erwartet, denn Saudi-Arabien und Russland hatten ihre Produktion bereits ausgeweitet, um den Effekt der Iran-Sanktionen abzufedern. Im Oktober lagen die Exporte Saudi-Arabiens zum ersten Mal wieder über dem Niveau von vor zwei Jahren. Damals hatten das Ölkartell Opec und Russland vereinbart, die Exporte zu drosseln, um den Ölpreis anzuheben.

Nicht gebunden an den Opec-Russland-Deal waren zudem die US-Fracker, und die nutzten den steigenden Ölpreis, um ihre Produktion deutlich auszuweiten – von 8,7 Millionen Barrel pro Tag am Ende des Jahres 2016 auf 11,7 Millionen Barrel heute. Damit haben die USA nun erreicht, was sie schon unter Trumps Vorgänger Barack Obama anstrebten: Sie sind der größte Ölproduzent der Welt.

Nächstes Jahr dürfte sich der US-Vorsprung sogar noch ausweiten: Die Internationale Energieagentur IEA erwartet, dass die US-Produktion um weitere 1,3 Millionen Barrel pro Tag steigt. "Es ist eine verblüffende Trendumkehr und bringt enorme wirtschaftliche und bis zu einem gewissen Grad geopolitische Vorteile", sagte Jason Bordoff von der US-Universität Columbia.

Trotzdem sind die USA noch weit von der globalen "Energiedominanz" entfernt, die Trump anstrebt: "Wirklicher Einfluss beruht nicht nur darauf, wie viel man produziert, sondern auf der Fähigkeit, das Angebot schnell zu erhöhen oder zu verringern, und das kann nur Saudi-Arabien", sagte Bordoff dem US-Magazin Foreign Policy.

Denn dort wird die Ölproduktion von einer einzigen Firma im Staatsbesitz kontrolliert, Saudi Aramco, während in den USA viele oft kleine Firmen für die Rekordproduktion verantwortlich sind. Genau diesen Vorteil will Saudi-Arabien nun nutzen. Das Königreich verlangt, dass die Opec zusammen mit Russland die Produktion um 1,4 Millionen Barrel pro Tag drosselt. Entschieden wird das vielleicht schon am Nikolaustag bei der nächsten Opec-Sitzung.

"Die Ölpreise sollten viel niedriger sein!"

Was aber, wenn gar nicht das Angebot, sondern die Nachfrage für den Preisverfall verantwortlich ist? Diese leidet derzeit unter drei Faktoren: den zunehmenden Spannungen im Welthandel, steigenden US-Zinsen und wirtschaftlichen Turbulenzen in einigen Schwellenländern wie der Türkei oder Argentinien.

Falls der aktuelle Preisrutsch Nachfrage-bedingt ist, wäre dies das schlechtestmögliche Szenario für die Opec und Russland. Denn dann müssten sie ihre Förderung drastisch drosseln, um sowohl die steigende US-Produktion als auch die sinkende Ölnachfrage zu kompensieren.

Damit würden sie allerdings den Zorn von Trump auf sich ziehen. Dieser twitterte am Donnerstag: "Hoffentlich werden Saudi-Arabien und die Opec ihre Ölproduktion nicht kürzen. Die Ölpreise sollten viel niedriger sein!"

Besonderes Gewicht erhält dieser Appell vor dem Hintergrund der Affäre um den Journalisten Jamal Khashoggi, der in Saudi-Arabiens Konsulat in Istanbul ermordet wurde. Die Affäre erlaubt es derzeit Trump, den Druck auf die saudische Regierung nach Belieben zu erhöhen oder zu senken – so wie es Saudi Aramco mit der Ölförderung tun kann.

Kurzfristig haben die USA so vielleicht tatsächlich, was Trump sich wünscht: Energiedominanz.

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