Südkorea nimmt Abstand von der Kohle

Südkoreas Stromerzeugung hängt an der Kohle. Erstmals wollen nun zwei Pensionsfonds ihre Gelder aus klimaschädlichen Investitionen abziehen, und die Kohleprovinz Süd-Chungcheong tritt einer globalen Anti-Kohle-Allianz bei.


Straße an einem befestigten Fluss, gesäumt von Hochhäusern.
An anderen Tagen ist Südkoreas Hauptstadt Seoul extrem versmogt – die vielen Kohlekraftwerke sind ein Problem. (Foto: Sander van der Molen/​Rainer Zenz/​Wikimedia Commons)

Zwei der drei großen südkoreanischen Pensionsfonds wollen aus der Kohlefinanzierung aussteigen. Der Pensionsfonds der Lehrer und der Pensionsfonds der Regierungsangestellten verwalten zusammen Gelder von 22 Milliarden US-Dollar. Das Geld soll nun schrittweise aus klimaschädlichen Investments abgezogen und nachhaltig angelegt werden, wie die Fonds heute in Seoul mitteilten.

"Da wir Kohle als Hauptverursacher von Klimawandel und Luftverschmutzung ansehen, bekräftigen wir hiermit unsere Zusage, uns in Zukunft nicht an Kohlefinanzierungen zu beteiligen, etwa durch Projektfinanzierungen oder Unternehmensanleihen", heißt es in einer Erklärung der Pensionsfonds.

Künftig sollen die verwalteten Gelder in Erneuerbare-Energien-Projekte und den Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft fließen. "Als öffentlicher Finanzier werden wir unserer Verantwortung bei der Bekämpfung des Klimawandels und der Luftverschmutzung gerecht, indem wir gesellschaftlich verantwortbare Investitionen ausweiten", sagte Lee Joong-heun, der die Geschäfte des Lehrer-Pensionsfonds führt.

Mit ihrem Beschluss zum Kohle-Divestment sind die zwei Pensionsfonds auf dem koreanischen Markt Vorreiter – in Asien dagegen nicht: Der britische Finanzkonzern Standard Chartered, der vor allem in Asien tätig ist, hat vergangene Woche angekündigt, keine neuen Kohlekraftwerksprojekte mehr finanzieren zu wollen, auch keine Erweiterungen bestehender Kohlekraftwerke. Zuvor stand die Bank in der Kritik, weil sie in die umstrittene Carmichael-Kohlemine des indischen Konzerns Adani investierte.

"Enorme Dynamik" bei großen Investoren

Auch japanische Konzerne haben sich bereits zum Divestment entschlossen. Der Handelskonzern Marubeni will sich aus der Finanzierung und Entwicklung neuer Kohlekraftwerke zurückziehen. Die großen japanischen Versicherer Dai-ichi Life und Nissay wollen Investitionen, die zum Klimawandel beitragen, beenden.

"Unter den großen Investoren gibt gerade eine enorme Dynamik", sagt Jan Erik Saugestad, Geschäftsführer des norwegischen Finanzdienstleisters Storebrand, der Gelder in Höhe von 88 Milliarden US-Dollar verwaltet. Sobald Südkorea und andere ostasiatische Länder "den Geldhahn zudrehen", so Saugestad, werde der Neubau von Kohlekraftwerken zum Erliegen kommen.

Südkorea gehört zu den zehn größten CO2-Emittenten weltweit, die Wirtschaft hängt nach wie vor stark von der Kohle ab. Im vergangenen Jahr erreichte die Energieerzeugung aus Kohle einen neuen Rekordwert: Fast die Hälfte des Stroms stammt aus Kohlekraftwerken. Zwar will Präsident Moon Jae-in die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie erhöhen und die Abhängigkeit von der Kohle verringern. Doch zunächst werden nach Ansicht von Experten die Kohlekapazitäten weiter steigen.

Einen schnelleren Abschied von der Kohle strebt die Provinz Süd-Chungcheong an. Anfang der Woche schloss sich die Provinz, die rund die Hälfte der südkoreanischen Kohlekapazitäten verantwortet, der globalen Anti-Kohle-Allianz an, die vor einem knappen Jahr von Großbritannien und Kanada initiiert wurde. Bis 2026 will die Regionalregierung die Laufzeit von Kohlekraftwerken um fünf auf 25 Jahre verkürzen, der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung soll auf 47,5 Prozent steigen.

Anlass der Ankündigungen ist ein Treffen des Weltklimarates IPCC in dieser Woche in Incheon bei Seoul, auf dem Wissenschaftler und Regierungsvertreter die Zusammenfassung des IPCC-Sonderberichts zum 1,5-Grad-Ziel verabschieden wollen.

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