Versicherungen stoßen RWE ab

Die französischen Versicherungsriesen Macif und AG2R wollen nichts mehr mit Kohle-Investments zu tun haben und trennen sich von Kapitalanlagen des RWE-Konzerns. Mit Unternehmen, die Kohle-Kraftwerke planen, wollen sie keine Geschäfte mehr machen. Ein Trend, der inzwischen weltweit Schule macht.


Vor einem silhouettenhaft erkennbaren Kohlekraftwerk stehen Hochspannungsleitungen.
Im Steinkohlekraftwerk Hamm mit 800 Megawatt Leistung erzeugt RWE 4,5 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. (Foto: Schulze von Glaßer)

Nach den großen europäischen Versicherern Axa und Allianz haben sich nun auch die beiden französischen Versicherungsunternehmen Macif und AG2R La Mondiale entschieden, bei ihren Kapitalanlagen auf Unternehmen zu verzichten, die neue Kohlekraftwerke planen.

Wie ein Divestment-Bündnis aus den Organisationen Amis de la Terre, Urgewald, Unfried Coal und Europe Beyond Coal mitteilt, will der französische Versicherer Macif die Zusammenarbeit mit den 120 aktivsten Kohlekraftwerksentwicklern beenden. AG2R La Mondiale will jene Kohle-Unternehmen ausschließen, die ihre Produktion um mehr als ein Prozent erhöhen, darunter ist auch RWE. Noch im vergangenen Jahr ging dem Bündnis zufolge ein Großteil der Kohleinvestitionen von Macif und AG2R an den Essener Enegiekonzern.

"RWE plant das letzte Braunkohlekraftwerk in Deutschland, das dazu beitragen wird, die Erderwärmung um durchschnittlich vier Grad zu erhöhen", sagte Katrin Ganswindt, Kohle- und Finanzexpertin bei Urgewald. "Die Veräußerung von RWE-Vermögenswerten ist daher ein Muss für jeden Finanzakteur, dem es ernst ist mit dem Klimaschutz", lobt sie.

Im Dezember hatte bereits der französische Verband der Versicherungsunternehmen FFA seinen Willen zum Divestement – also dem Ausstieg aus Kapitalanlagen mit fossilen Investments – angekündigt. Laut dem französischen Umweltverband Amis de la Terre haben die acht größten Versicherer des Landes rund 926 Millionen US-Dollar in fossile Kapitalanlagen investiert.

"Die Versicherer erkennen endlich, wie riskant und zerstörerisch Kohleinvestitionen sind", kommentierte Lucie Pinson von Amis de la Terre die jüngste Entwicklung. "Es ist an der Zeit, dass auch BNP Paribas und Munich Re nachziehen und die Kohle ihrem längst überfälligen Verfall überlassen."

Die Versicherungsriesen Allianz und Axa hatten bereits 2015 vor dem Klimagipfel in Paris angekündigt, ihre Investments zu überdenken und fossile Energien aus dem Portfolio zu nehmen. Den ersten Schritt machte dann im April 2017 der in Frankreich gegründete Versicherer Axa, gefolgt vom ebenfalls französischen Unternehmen Scor und der Zürich Versicherung aus der Schweiz.

Im April dieses Jahres sagte auch die Allianz – immerhin Europas größter Versicherer – zu, auf Einzelversicherungen von Kohlekraftwerken und Kohleförderung zu verzichten und bei den Kapitalanlagen ebenfalls keine großen Kohle-Investments mehr zuzulassen – ein Erfolg für das Divestment-Bündnis der Umweltorganisationen, die seit Monaten dafür kämpfen, dass die Versicherungsbranche klimafreundlicher wird.

15 Versicherungskonzerne steigen aus der Kohlefinanzierung aus

Eine Untersuchung von mehreren Umweltorganisationen aus dem vergangenen November zeigt, dass 15 der weltweit führenden Versicherer schon teils weitreichende Entscheidungen zum Ausstieg aus den Kohle-Investitionen getroffen haben. Dazu gehören Allianz, Axa und Schweizer Rück. Eine steigende Zahl von Unternehmen der Branche geht noch weiter und bietet für viele Kohlekonzerne auch keine Versicherung mehr an. Viele Unternehmen haben aber bisher nur Absichtserklärungen abgegeben.

Die Umweltorganisation Urgewald – treibende Kraft der Divestment-Bewegung – stellte Ende vergangenen Jahres zudem eine sogenannte "Global Coal Exit List" vor, die Daten zu mehr als 770 Kohle-Unternehmen enthält. Die Datenbank soll vor allem der Finanzindustrie helfen, Unternehmen zu erkennen, die Kohlevorkommen aufsuchen, Kohle fördern, handeln oder verstromen oder Kohlekraftwerke bauen. Insgesamt sollen die aufgelisteten Unternehmen 88 Prozent der weltweiten Kohleförderung und 86 Prozent der weltweiten Kohlekraftwerkskapazität repräsentieren.

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