Zu wenig Klimaschutz wird teuer

Vor dem G7-Gipfel in Cornwall fordert die Entwicklungsorganisation Oxfam mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Andernfalls drohten sehr hohe Kosten. Die Verluste der jährlichen Wirtschaftsleistung könnten doppelt so hoch ausfallen wie bei der Corona-Pandemie.


Silhouette einer Skyline vor einem roten Himmel
Mit dem Klimawandel werden heiße Tage in Deutschland häufiger. (Foto: Nadine Sky/​Pexels)

Wird die Klimakrise nicht oder nur halbherzig eingedämmt, wird es richtig teuer. Allein die reichen G7-Länder müssen mit Kosten von 4,8 Billionen US-Dollar pro Jahr rechnen, falls die CO2-Emissionen nicht schneller und stärker gesenkt werden als derzeit geplant. Umgerechnet sind das knapp vier Billionen Euro.

Davor warnt die Entwicklungsorganisation Oxfam im Vorfeld des G7-Gipfels, der am kommenden Freitag in Cornwall im Südwesten Englands beginnt.

Nach Oxfam-Berechnungen droht den G7-Staaten im Jahr 2050 ein Verlust ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung von durchschnittlich 8,5 Prozent. Das wäre doppelt so viel wie der wirtschaftliche Verlust durch die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr. Damals schrumpften die Volkswirtschaften der führenden Industrieländer im Schnitt um 4,2 Prozent.

Noch wichtiger: Durch Corona brach das Bruttoinlandsprodukt nur kurzfristig ein, um sich danach wieder kräftig zu erholen. "Die Auswirkungen des Klimawandels werden jedoch jedes Jahr zu spüren sein", warnt Oxfam.

Bei ihren Berechnungen stützt sich die Hilfsorganisation auf eine Analyse des Swiss Re Institute. Der Schweizer Rückversicherer hatte bereits im April berechnet, wie sich die Klimakrise auf die globale Wirtschaft auswirken wird. Untersucht wurden 48 Länder, die 90 Prozent der Weltwirtschaft ausmachen.

Langfristig, so stellt die Studie fest, ist der Klimawandel die größte Gefahr für die Weltwirtschaft. Dazu zählen chronische Risiken wie Hitzestress und andere gesundheitliche Auswirkungen, der Anstieg des Meeresspiegels, die Verringerung der landwirtschaftlichen Produktivität sowie negative Folgen für den Tourismus.

Ohne Gegenmaßnahmen droht demnach schon in den nächsten 30 Jahren ein globaler Temperaturanstieg um mehr als drei Grad Celsius. Die Weltwirtschaft würde um 18 Prozent schrumpfen. Dabei kämen die G7-Länder noch einigermaßen glimpflich davon. Ihr Verlust würde bei zehn Prozent liegen.

"In den reichen Ländern sehen wir nur die Spitze des Eisbergs"

China hingegen müsste mit einem Minus von 24 Prozent rechnen. Ärmere Länder hätten mit deutlich größeren Verlusten zu rechnen.

Werden hingegen – so wie derzeit geplant – einige Gegenmaßnahmen gegen die Klimakrise ergriffen, liegt der Temperaturanstieg bei 2,6 Grad und der Verlust der weltweiten Wirtschaftsleistung bei 14 Prozent.

Gelingt es jedoch, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, beträgt der Verlust elf Prozent. Wird das 1,5-Grad-Ziel des Paris-Abkommens eingehalten, fällt das Minus mit vier Prozent vergleichsweise moderat aus.

"Das Klimarisiko betrifft jedes Land, jedes Unternehmen und jeden einzelnen Menschen", sagt Thierry Léger vom Swiss Re Institute. Ungleich stärker als reiche Staaten wie die G7 sind aber Entwicklungs- und Schwellenländer betroffen – vor allem Länder in Äquatornähe, in denen der Hitzestress besonders zunehmen wird.

"Die prognostizierten wirtschaftlichen Turbulenzen in den wohlhabenden G7-Ländern sind nur die Spitze des Eisbergs", sagte Max Lawson von Oxfam. "In vielen wirtschaftlich benachteiligten Teilen der Welt werden Todesfälle, Hunger und Armut als Folge extremer Wetterereignisse zunehmen."

Von den G7-Staaten fordert die Entwicklungsorganisation deshalb eine sofortige und deutliche Erhöhung ihrer Klimaziele für 2030. Auch die Zusagen für die Klimafinanzierung der nächsten Jahre sollten laut Oxfam drastisch erhöht werden.

Die Industrieländer haben zugesagt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen, damit ärmere Länder Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen finanzieren können. Diese Summe wird bislang nicht erreicht.

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