Strom leicht teurer, Energiepreise insgesamt niedriger

Die Ausgaben der Haushalte für Strom haben im Jahresvergleich leicht zugelegt – wegen des Preisverfalls bei Öl und Gas sind ihre Energiekosten aber insgesamt gesunken, errechnete ein Preisportal.


Stromzähler in Nahaufnahme, man sieht vor allem den Zählerstand.
Die Stromkosten gleichen sich bundesweit stärker an. (Foto: Petrad/​Shutterstock)

Die Ausgaben der Ost-Haushalte für Strom sinken auf West-Niveau. Das konnte das Preisportal Verivox bei seinem jüngsten Preisvergleich für die neuen Länder verkünden.

Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden in Ostdeutschland zahle zurzeit im Schnitt 1.189 Euro, während die gleiche Strommenge in den westdeutschen Ländern mit 1.202 Euro 1,1 Prozent teurer sei. Noch 2017 habe das Ost-West-Kostengefälle rund vier Prozent zuungunsten der neuen Länder betragen.

Zwar sind die Stromkosten laut Verivox in den letzten zwölf Monaten bundesweit um 1,4 Prozent gestiegen – bezogen auf 4.000 Kilowattstunden war aber mit 1,7 Prozent Anstieg allein der Westen betroffen, während im selben Zeitraum der Strompreis im Osten um 0,2 Prozent sank.

Zu beachten ist dabei: Der von Verivox und anderen Preisportalen in der Regel herangezogene Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden überzeichnet das reale Verbrauchsniveau deutlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag 2018 der durchschnittliche Stromverbrauch privater Haushalte in Deutschland mit einer Elektrospeicherheizung bei 3.012 Kilowattstunden, ohne eine Speicherheizung bei 2.801 Kilowattstunden, also bei 75 beziehungsweise 70 Prozent der vom Preisportal angenommenen Verbrauchsmenge.

Trotz der preislichen Annäherung geben Ost-Haushalte nach aktuellen Angaben des Preisportals Check 24 wegen der geringeren Einkommen anteilig immer noch mehr Geld für Energie aus. So müsse ein Singlehaushalt in Mecklenburg-Vorpommern 4,9 Prozent seines verfügbaren Einkommens für Strom und Gas aufwenden. Im Bundesschnitt sind es danach nur 3,9 Prozent des Einkommens – 3,8 Prozent in den alten und 4,6 Prozent in den neuen Ländern.

"Angleichung der Netzentgelte trägt Früchte"

Wegen des Preisverfalls vor allem bei Öl und Gas müssen die Haushalte derzeit aber insgesamt weniger Geld für Energie aufwenden als noch vor einem Jahr. Die Kosten für Heizung, Strom und Kraftstoff sanken auf Jahressicht um rund sechs Prozent, hier allein vom Februar auf den März 2020 um fünf Prozent, hatte Verivox im April mitgeteilt.

Dass Strom für Haushalte im Osten lange Zeit teurer war, lag nach Auffassung von Verivox in erster Linie an den Netzentgelten: Der starke Zubau erneuerbarer Energien, eine geringe Bevölkerungsdichte und die Abschreibungen auf Netzinvestitionen haben die Kosten regional stark steigen lassen.

So seien 2017 im Westen 274 Euro Netzkosten für einen Vierpersonenhaushalt fällig gewesen, im Osten 339 Euro. Seither verläuft die Entwicklung der Netzkosten entgegengesetzt: In den alten Ländern stiegen diese um rund fünf Prozent auf 287 Euro, in den neuen hingegen fielen sie um elf Prozent auf 301 Euro. Die Ost-West-Differenz sei in dem Zeitraum von 24 Prozent auf heute nur noch fünf Prozent gesunken.

"Die politische Entscheidung, die Übertragungsnetzentgelte bundesweit schrittweise anzugleichen und so die Kosten der Energiewende gleichmäßiger zu verteilen, trägt Früchte", erklärte dazu Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox.

2018 hatte die Bundesregierung beschlossen, die Entgelte für die Nutzung der Übertragungsnetze in fünf gleich großen Schritten bis Anfang 2023 zu vereinheitlichen. Seit 2019 wird dabei jedes Jahr für jeweils 20 Prozent der Kosten der Übertragungsnetzbetreiber ein einheitliches Entgelt ermittelt, sodass 2023 dann die Netzentgelte in Deutschland überall gleich hoch sind.

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