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Saufen für mehr Wasser

Mit jedem Bier ein Stück Regenwald retten: Als Krombacher vor Jahren sein Projekt zum Waldschutz startete, hagelte es Kritik. Von "Greenwashing" war die Rede. Die Brauerei überarbeitete ihr Konzept und kümmert sich nun um den Schutz von Torfmoorwäldern auf Borneo – mit beachtlicher Bilanz.


Ein Boot fährt über den Sangha-Fluss in der Zentralafrikanischen Republik
Am Fluss Sangha in der Zentralafrikanischen Republik hatte Krombacher in Sachen "Wald retten durch Bier trinken" wenig vorzuweisen. (Foto: Philippe Annoyer/​Bayanga 85/​Flickr)

Saufen für den Regenwald. Kritiker verballhornten so das "Regenwald-Projekt", das die Krombacher-Brauerei 2002 auflegte. Mit jeder gekauften Flasche Bier fließe Geld in den fürs Weltklima so wichtigen Waldschutz, versprach das Unternehmen zusammen mit der Umweltstiftung WWF, und Moderator Günther Jauch ließ sich in TV-Spots dafür einspannen.

Damals ging es um ein Projekt in Zentralafrika, im Dzanga-Sangha-Gebiet. "Greenwashing" warfen Öko-Experten der Brauerei damals vor, es gehe ums grüne Image, aber nicht darum, selbst klimafreundlich zu produzieren.

Tatsächlich hatte Krombacher hier wenig vorzuweisen. Doch die Kritik zeigte Wirkung, die Brauerei berechnete den Öko-"Fußabdruck" für ihr Bier, stellte auf Ökostrom um und richtete einen Nachhaltigkeitsrat ein.

Und, weniger beachtet von der Öffentlichkeit als bei den Jauch-Spots, führte sie zusammen mit dem WWF auch die Regenwald-Klimaschutzprojekte fort – und zwar in Indonesien, auf Borneo. Dort geht es um den Schutz von Torfmoorwäldern und um Wiederaufforstung degenerierter Wälder.

Immerhin mit 5,4 Millionen Euro hat die Brauerei die WWF-Aktivitäten in Borneo gesponsert, und um den Erfolg auch wasserdicht zu machen, wurden ausgewiesene Experten mit einer Klimabilanz beauftragt: das Unternehmen Remote Sensing Solutions, das Satellitendaten auswertet, sowie der Moorforscher Hans Joosten von der Universität Greifswald.

Die Bilanz kann sich sehen lassen. Danach wird jährlich der Ausstoß von drei Millionen Tonnen CO2 vermieden – in etwa so viel, wie ein generelles 120er Tempolimit auf deutschen Autobahnen bringen würde.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Die Klimawirkung beruht vor allem auf der Verbesserung des Wasserhaushalts von Torfmoorwäldern im indonesischen Nationalpark Sebangau. Dort wurden 1.181 Dämme gebaut, um die Austrocknung des Bodens zu stoppen, durch die viel CO2 freisetzt wird.

Das Gebiet war über Jahrzehnte durch Kanäle systematisch trockengelegt worden. Sie dienten vor der Einrichtung des Schutzgebiets dazu, gefällte Bäume abzutransportieren. Das wird nun rückgängig gemacht.

Leider wird es nach Angaben der Wissenschaftler rund 100 Jahre dauern, bis sich der ursprüngliche Wasserhaushalt wieder eingestellt hat. Biertrinken mit Langfristwirkung, sozusagen.

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