Wenn die Firma klimaneutral werden will

Wenn Unternehmen derzeit Klimaschutz betreiben, liegt das meist nicht an den politischen Rahmenbedingungen – im Gegenteil. Wer nachhaltig wirtschaften will, hat es oft schwer gegen die günstigere Konkurrenz. Dennoch versuchen es immer mehr Firmen, wie Elobau im Allgäu.


Elobau-Firmenzentrale in Leutkirch, von ganz unten aus einer Wiese fotografiert.
Elobau stellt selbst entwickelte Sensoren und Nutzfahrzeugsysteme "klimaneutral in Deutschland" her. (Foto: Elobau)

Wenn Armin Hipper morgens bei seinem Arbeitgeber in Leutkirch im Allgäu einstempelt, fragt ihn die Zeiterfassung: Wie bist du hergekommen? Zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto? Mit einer Fahrgemeinschaft?

"Das System rechnet mit der Information zum Transportmittel die Entfernung des Mitarbeiters von seinem Wohnort zum Arbeitsplatz in Treibhausgas-Emissionen um und findet dann automatisiert Eingang in unsere Klimabilanz", erklärt Hipper, der als Nachhaltigkeitsmanager bei Elobau tätig ist.

Seit 2010 arbeitet das Unternehmen, das Bedienelemente, Sensoren, Füllstandsgeber und Sicherheitstechnik herstellt, daran, klimaneutral zu wirtschaften.

Der Anstoß dazu kam von Elobau-Geschäftsführer Michael Hetzer. "Der Klimawandel war schon 2009 deutlich erkennbar und ich hatte den Impuls handeln zu müssen. Über das Unternehmen habe ich einen großen Hebel", sagt Hetzer.

Als erstes ließ er eine Energiebilanz für Elobau erstellen. Dann stellte Hetzer auf Grünstrom-Bezug um, schaffte zwei Mikrogasturbinen an, baute 2010 eine große Freiflächen-Photovoltaikanlage und belegte seine Gebäudedächer ebenfalls mit Solarmodulen.

Seit 2013 erzeugt das Unternehmen bilanziell mehr Strom, als es verbraucht. Für die Wärmeversorgung bezieht Elobau seit 2010 Biogas aus einer nahegelegenen Speisereste-Vergasung. Am Standort in Leutkirch konnten so die CO2-Emissionen, bezogen auf die Wertschöpfung, um etwa ein Drittel gesenkt werden.

"Zunächst wurde Nachhaltigkeit stark von der Energieseite her betrachtet – es war der Treiber, um das Thema im weiteren Verlauf in all seinen Dimensionen weiter aufzurollen", erläutert Armin Hipper. Seine Arbeit ist aber längst nicht erledigt, eher im Gegenteil. "Je detaillierter die Betrachtung, desto komplizierter wird es", sagt der Nachhaltigkeitsmanager.

Nachhaltige Produkte bisher kaum gefragt

Schon seit 2010 bilanziert das Unternehmen beispielsweise auch alle Zukaufteile. "Dazu wird jedes Kabel, jede Trommel, einfach jedes Bauteil, das wir beziehen, erfasst." Das sei bisweilen eine kleinteilige Rechnerei, so Hipper. Bei der Bilanzierung lässt sich Elobau vom Tübinger Treibhausgas-Bilanzierungspezialisten Klimaktiv beraten.

Lieferanten werden über einen Nachhaltigkeitsmaßstab bewertet. Dafür hat Elobau ein Bewertungssystem ausgeklügelt, um kleinere und regionale Unternehmen nicht zu benachteiligen. "Wir fragen nicht einfach Zertifikate ab, wie viele große Konzerne das oft machen", betont Hipper.

So könne zum Beispiel ein Handwerksbetrieb punkten, wenn er eine Solaranlage auf dem Dach hat oder örtliche Vereine unterstützt. Wer bei der Bewertung eine Mindestpunktzahl unterschreitet, kommt als Lieferant nicht mehr infrage – zumindest in der Theorie.

In der Praxis ist das nicht immer so einfach. So bezieht Elobau Kunststoff-Granulat von BASF, einem globalen Konzern. "Wenn wir denen sagen würden, wir kaufen nicht mehr bei euch, weil ihr uns nicht nachhaltig genug seid, dann interessiert die das natürlich gar nicht", sagt Hipper. Bei anderen Lieferanten lasse sich aber durchaus Einfluss nehmen.

Auf Kundenseite hat das Unternehmen nur sehr begrenzt Einfluss. "Bisher war die Nachfrage unserer Kunden zu nachhaltigen Produkten sehr gering bis nicht existent", fasst Hipper zusammen. "Seit ein paar Jahren versuchen wir mehr und mehr Nachhaltigkeit in die Produkte selbst zu bringen." So hat Elobau eine modulare Armlehne für Traktoren-Cockpits entwickelt, die zu 70 Prozent aus biobasiertem Kunststoff besteht.

Elobau ist nach dem europäischen Umweltmanagementstandard Emas zertifiziert, der auf kontinuierliche Verbesserungen bei den Umweltindikatoren besteht. "Mobilität ist eine große Herausforderung für uns", sagt Hipper. Das Hauptquartier befindet sich im ländlichen Raum im Südosten von Baden-Württemberg, der Verzicht auf das eigene Auto ist dort oft nicht so einfach.

Aber das ist nicht der einzige Grund. Die Auswertung der Wegstrecken habe auch gezeigt, dass viele Mitarbeiter durchaus nur einen sehr kurzen Arbeitsweg haben – aber trotzdem mit dem eigenen Pkw kommen.

Heiße Debatten über Pkw-Fuhrpark

Auch solche soften Herausforderungen will Elobau annehmen. Seit 2014 wurden über 100 Fahrräder über ein Rad-Leasing bewilligt. "Wir haben einen regionalen Wettbewerb mitinitiiert, bei dem 16 Unternehmen miteinander konkurriert haben, wer die meisten grünen Pendelkilometer zusammenbekommt", erzählt der Nachhaltigkeitsmanager.

Gemeinsam mit dem Energiezentrum Allgäu wurde dazu eigens eine App entwickelt, mit der die Mitarbeiter spielerisch ihren "grünen Arbeitsweg" erfassen. Der gesamte Klimagasausstoß des Unternehmens wird über Gold-Standard-Zertifikate eines Aufforstungsprojekts in Costa Rica neutralisiert, das die Freiburger Firma Querdenker betreut.

Nicht immer sind alle rundum begeistert. "Wir sind mittlerweile rund tausend Mitarbeiter", betont Hipper. "Je größer wir werden, desto mehr bilden wir einen repräsentativen Durchschnitt der Gesellschaft ab. Da sind dann schon auch Leute dabei, die der Meinung sind, dass es jetzt mal mit 'öko' reicht."

Hitzige Diskussionen gebe es zum Beispiel regelmäßig darüber, welche Pkw-Modelle für den Fuhrpark angeschafft werden dürfen. Elobau legt da strenge Grenzwerte an. Das will nicht jeder gleich verstehen. "Wichtig ist für mich in meiner Funktion die Rückendeckung der Geschäftsführung", sagt der Nachhaltigkeitsmanager.

Rückendeckung, Unterstützung und Anerkennung – davon würden sich die Unternehmenslenker auch aus der Politik mehr erhoffen. Entsprechend sei die Geschäftsführung von Elobau der Auffassung, dass jene Unternehmen, die dem Gemeinwohl und der Natur schaden, mehr reguliert werden müssen, stellt Armin Hipper klar.

"Wir unterstützen die Forderungen nach einem vernünftigen CO2-Preis", sagt er. "Das Klimapaket in der aktuellen Fassung hat keine Lenkwirkung für ein Umsteuern in Richtung Klimaschutz."

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