Es gibt sie also doch, die Öko-Zeitmaschine. Bloß, dass sie derzeit rückwärts läuft. Statt uns ins grüne Zeitalter zu beamen, schickt sie uns ins letzte Jahrhundert zurück.

In die Ära, wo Erdöl und Erdgas noch unbegrenzt zu fließen schienen und die Atmosphäre als unendliche Mülldeponie für Treibhausgase betrachtet wurde. Wo von Peak Oil, Ölausstieg und Öldämmerung noch keine Rede war. Als man dachte: Klimawandel? Was ist denn das?

 

Am sinnfälligsten wird das am Beispiel des Ölkonzerns BP. BP steht für British Petroleum. BP ist einer der fünf westlichen Erdöl- und Erdgasriesen, Sitz in London.

Vor 25 Jahren hatte es sich bis zum damaligen Konzernchef herumgesprochen: Das ist kein Geschäftsmodell für die Ewigkeit. Er benannte BP in "Beyond Petrol" (jenseits von Öl) um und stieg zum Beispiel die Solarmodul-Produktion ein.

Im Jahr 2020 erneuerte sein Nachfolger das Versprechen, Vorreiter der Energiewende zu sein. Die Ziele: BP werde seine Öl- und Gasproduktion bis 2030 um 40 Prozent senken und kräftig in Zukunftstechnologien wie Windkraft, Solaranlagen, Wasserstoff und Ladestationen für E-Autos investieren.

Aber nicht China

Doch das ist alles Makulatur. BP bedeutet nun: Back to Petroleum. Von einem baldigen Ölausstieg spricht niemand mehr, weder bei dem Londoner Multi, der gerade die Entdeckung eines riesigen Ölfeldes in Brasilien bejubelte, noch bei der Konkurrenz.

BP plant Dutzende neue Explorationsbohrungen, die anderen Konzerne verfahren genauso. Sie investieren gewaltige Summen in neue fossile Quellen.

"Big Oil" erwartet mittelfristig einen stark steigenden Öl- und Gasverbrauch – anders als die Internationale Energieagentur IEA, die den "Peak" der fossilen Energien bis 2030 und dann einen Rückgang erwartet. Die höhere Prognose stützt sich vor allem auf den enormen Energiehunger in Schwellenländern wie China und Indien. 

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Man kann nur hoffen, dass sich BP und Co damit verschätzen und die IEA doch recht hat, die einen schnelleren Hochlauf von E-Mobilität und alternativen Technologien im Wärme- und Industriesektor erwartet, Stichwort Wärmepumpe und Wasserstoff.

Hoffnung machen hier die jüngsten Nachrichten aus China, dem mit Abstand stärksten CO2-Einzelemittenten. Dort werden die klimafreundlichen Energien so stark ausgebaut, dass seit dem letzten Jahr ein, wenn auch leichter, Rückgang der CO2-Emissionen zu verzeichnen ist.

Es gibt also noch eine Chance, dass die "Drill, baby, drill"-Fraktion nicht das letzte Wort haben wird.