Quaschning erklärt: Atomkraft in Frankreich

Einige meinen hartnäckig, wir müssten in der Energie- und Klimakrise auf die Atomkraft setzen. Dabei haben uns Kernkraftwerke in Frankreich erst richtig in die Misere gebracht. Ist das AKW-Desaster im Nachbarland wenigstens bald vorbei?


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Frankreich ist das Vorbild für die Atomkraft. Dort soll die Atomkraft angeblich sogar das Klima retten. Atomenergie-Fans wollen, dass wir dem französischen Weg folgen.

54 Atomkraftwerke erzeugten im Jahr 2021 rund 70 Prozent des französischen Stroms. Doch 2022 standen 30 Reaktoren still.

Wartungsprobleme, Risse im Kühlkreislauf, Kühlwassermangel im Sommer oder einfach nur schlechtes Karma – teure Gaskraftwerke mussten in Frankreich und den Nachbarländern einspringen und ließen die Strompreise explodieren.

Viele Atomkraftwerke sind immer noch nicht flott. Um Schlimmeres zu verhindern, müssen wir nun unsere alten Meiler ein paar Monate länger laufen lassen.

17 französische Reaktoren feiern in den nächsten zehn Jahren ihren 50. Geburtstag. Und Strom ist nicht alles: Autos, Heizungen und Industrie verbrauchen auch in Frankreich Öl, Kohle und Gas. Darum deckt die Atomenergie in Frankreich auch nur gut 20 Prozent des gesamten Endenergiebedarfs.

Wie Frankreich so klimaneutral werden will, weiß das Land momentan selbst nicht. Damit wird die Atomkraft in Frankreich zum abschreckenden Beispiel: riskant, unzuverlässig, teuer und keine echte Option für den Klimaschutz.

Foto: Silke Reents

Volker Quaschning

ist Professor für Regenerative Energie­systeme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Seine Lehr- und Sachbücher zur Energie­wende gelten als Standard­werke.

 

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