Anzeige
Entdecken Sie eine Welt voller nachhaltiger Energielösungen!

Klimaschützer:innen warnen vor Verwässerung der EU-Taxonomie

Die Europäische Union hat erste Kriterien für nachhaltige Investitionen festgelegt. Zwei Streitpunkte bleiben jedoch weiter offen: Ob fossiles Erdgas und Atomkraft in der EU offiziell als "nachhaltig" gelten, soll später geklärt werden.


Hellgraue Rohrleitungen in einer Energie- oder Industrieanlage.
Während sich wissenschaftliche Belege für die Klimaschädlichkeit von Erdgas häufen, möchte die EU-Kommission den fossilen Brennstoff gern als nachhaltig labeln. (Foto: B. Stádnik/​Pixabay)

Noch ist das Werk nicht vollbracht. Klimaschützer:innen warnen davor, die sogenannte Taxonomie der Europäischen Union zu verwässern.

Dieses Regelwerk für "ökologisch nachhaltiges Handeln" soll bei Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Klarheit schaffen, welche Kapitalanlagen nun wirklich grün sind und welche nicht. Das soll sicherstellen, dass Kapitalströme in Richtung Klimaschutz fließen und nicht nur Geld mit grünem Marketing gescheffelt wird.

Weite Teile der Taxonomie haben die EU-Staaten diese Woche stillschweigend angenommen, indem sie während der gesetzten Frist keinen Einspruch gegen einen passenden Rechtsakt der EU-Kommission einlegten. Jetzt gelten zum Beispiel Autos nur als nachhaltig, wenn sie direkt mit Strom betrieben werden, nicht etwa mit Wasserstoff.

Mehrere umstrittene Fragen hat die EU-Kommission allerdings ausgelagert. Ein weiterer Rechtsakt Ende Dezember soll etwa regeln, wie es mit Atomkraft und fossilem Gas aussieht.

Atomenergie gilt zwar als teuer und riskant, aber auch als relativ klimafreundlich. Länder wie Frankreich, Polen und Tschechien wollen unbedingt, dass Atomkraftwerke als nachhaltig eingestuft werden.

Deutschland ist strikt dagegen – setzt sich dafür aber für das fossile Erdgas ein. Zwar sind Gaskraftwerke, vor allem durch Leckagen bei Förderung und Transport des Gases, insgesamt kaum klimafreundlicher als Kohlekraftwerke. Sie können aber flexibler geregelt werden und lassen sich später oft für die Wasserstoffnutzung umfunktionieren.

"Die Glaubwürdigkeit wäre ruiniert"

Das hat ihnen den Ruf als Brückentechnologie eingebracht. Klimaschützer:innen befürchten allerdings, dass diese Brücke viel zu lang wird, wenn Investitionen in fossiles Gas auch noch offiziell als nachhaltig klassifiziert werden. "Europa steht vor der Herausforderung, in kürzester Zeit eine Union der Nachhaltigkeit werden zu müssen", mahnte Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings, nach der Annahme des Rechtsakts.

Der Dachverbands-Chef appellierte direkt an den neuen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD): "Wichtig ist, dass hier die Weichen nicht in die Vergangenheit gestellt werden." Investitionen in Atomkraft und fossiles Gas dürften nicht "entgegen jeder ökologischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Basis" als nachhaltige Energieträger durchgehen, so Niebert.

Das sieht auch Luca Bonaccorsi vom europäischen Dachverband Transport & Environment so. "Dass Elektroautos als nachhaltig einsortiert sind, ist die wahrscheinlich fortschrittlichste Öko-Klassifizierung auf den Finanzmärkten", sagte er. Dass die EU-Kommission aber kurz davor stehe, Erdgas als grün zu bezeichnen, zerstöre die Glaubwürdigkeit der gesamten Pläne für nachhaltige Finanzen.

Ähnliche Worte wählte Sebastien Godinot vom EU-Team des WWF. "Das würde die Glaubwürdigkeit der Taxonomie ruinieren." Die Regeln seien dann schwächer als das, was auf dem grünen Finanzmarkt ohnehin zu finden sei.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier