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Fliegen ist bald out. Vielleicht

Die EU-Kommission legt einen Aktionsplan für den grenzüberschreitenden Fernverkehr auf der Schiene vor. Ziel: Schneller, billiger, einfacher. Umweltverbände sind angetan und rufen die neue Bundesregierung auf, die Bemühungen der Kommission stärker zu unterstützen.


Der Schnellzug Öresundståg steht in einem Bahnhof.
Grenzüberschreitenden Bahnverkehr wie hier zwischen Dänemark und Schweden will die EU-Kommission ausbauen. (Foto: Nicklas Bunck Sørensen Andersen/​News Øresund/​Flickr)

Die Bahn ist auf Fernstrecken, verglichen mit Auto und Flugzeug, das mit Abstand klimafreundlichere Verkehrsmittel. Ihr Anteil an der Verkehrsleistung ist jedoch gering, vor allem im grenzüberschreitenden Verkehr.

Magere sieben Prozent beträgt der Bahnverkehrs-Anteil. Die EU-Kommission will das ändern und hat dazu einen Aktionsplan vorgelegt. Er sieht unter anderem vor, dass der Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene bis 2030 verdoppelt und bis 2050 verdreifacht werden soll. Das soll die EU-Bürger zum Umsteigen in die Züge bringen.

Die Attraktivität soll auf mehreren Wegen gestärkt werden. EU-Klimakommissar Frans Timmermans sagte bei der Vorstellung der Pläne, im Jahr 2040 sollten die Züge im Personenverkehr auf den wichtigsten internationalen Strecken mindestens mit Tempo 160 fahren können.

Zudem soll es einfacher werden, Fahrkarten für den Verkehr zwischen EU-Ländern zu kaufen, nächstes Jahr will Brüssel dazu einen Gesetzesvorschlag vorlegen. Auch soll geprüft werden, ob Bahntickets von der Mehrwertsteuer befreit werden können, wie es derzeit bei Flugtickets der Fall ist. "Bahntickets müssen leichter zu finden, zu buchen und zu attraktiven Preisen zu kaufen sein", sagte Timmermans.

Für den Bahn-Güterverkehr gibt es ebenfalls Verbesserungspläne. So sollen Güterzüge künftig mehr Waggons haben können, um mehr Ladung auf einmal transportieren zu können. Zudem soll es möglich sein, Lkws im "Huckepackverkehr" in der gesamten EU per Zug zu transportieren.

Schiene als Schlüssel zur Verkehrswende

Die Umweltorganisation Germanwatch bewertete den Aktionsplan positiv. Er könne "zum Startpunkt für eine europäische Renaissance der Bahn werden". Für die Umsetzung sei allerdings die "entschiedene Unterstützung" durch die Bundesregierung und namentlich durch Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) nötig.

Germanwatch lobte vor allem, dass die Kommission die Anschaffung grenzüberschreitend fahrender Züge voranbringen will, unter anderem durch eine Finanzierung über die Europäische Investitionsbank. Laut der Organisation sind für das Ziel, den Hochgeschwindigkeitsverkehr bis 2030 zu verdoppeln, EU-weit etwa 1.000 zusätzliche Züge nötig. "Die Anschaffung muss nun schnell starten, denn Züge zu bauen dauert seine Zeit", sagte Germanwatch-Verkehrsreferent Jacob Rohm.

Der Experte meinte: "Umfragen zeigen, dass die Menschen bereit sind, auch auf längeren Strecken die Bahn anstelle des Flugzeugs zu nutzen. Doch dafür brauchen sie gut getaktete und einfach zu buchende internationale Verbindungen zu vernünftigen Preisen." Die EU-Kommission habe das verstanden.

Rohm schlug vor, die Bundesregierung solle jetzt ein Zeichen zur Unterstützung der Kommissionsinitiative setzen und in einem ersten Schritt eine Senkung der Schienenmaut für grenzüberschreitende Verbindungen veranlassen.

Die CO2-Einsparung im Verkehr ist für die EU von entscheidender Bedeutung, wenn sie ihr Ziel erreichen will, die Emissionen bis 2030 gegenüber 1990 um 55 Prozent zu senken. Der Ausbau des Schienenverkehrs, der nach den Zahlen der EU von 2019 weniger als ein Prozent der Verkehrsemissionen der EU ausmacht, gilt als Schlüssel zum Erreichen der Klimaziele in dem Sektor. Der Straßenverkehr war im selben Jahr für 71 Prozent des verkehrsbedingten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

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