Europa kann bis 2050 klimaneutral werden

Die EU kann es einem Bericht zufolge schaffen, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Allerdings sieht es derzeit nicht so aus, als ob die Weichen dafür richtig gestellt würden. 


Fahrräder und Auto
Weniger Autos: Ein Projekt in Schweden zeigt, wie es gehen könnte. (Foto: Susan Yin/​Unsplash)

Die Europäische Union kann bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden. Das ist das Ergebnis eines Berichts der European Climate Foundation (ECF), an dem unter anderem die Denkfabrik Agora Energiewende, das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung und der WWF mitgearbeitet haben. Demnach ist das Ziel nicht nur technisch und wirtschaftlich erreichbar, sondern auch ökonomisch und gesellschaftlich wünschenswert, weil es zu einer stärkeren Wirtschaft und einem besseren Wohlstand führe.

Für die Klimaneutralität bis 2050 müsse Europa aber entschlossen handeln, so der Bericht. Mit Technologien, die bereits kommerziell genutzt werden, wie Wind- und Sonnenenergie, seien bereits drei Viertel des Ziels zu schaffen. Für den Rest müssten neue Technologien ausgebaut und eingesetzt werden.

Alle Sektoren müssen demnach einen Beitrag dazu leisten. Im Verkehrssektor dürfe die Nachfrage bis 2030 nicht steigen und der Autoanteil müsse von heute 80 auf 70 Prozent sinken. Außerdem müsse das CO2-Einsparziel der EU für das Jahr 2030 auf 55 bis 65 Prozent gegenüber 1990 angehoben werden.

Bisher will die EU die CO2-Emissionen nur um 40 Prozent senken. Zwar haben sich sowohl EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als auch Energiekommissar Miguel Arias Cañete kürzlich für eine Anhebung des Ziels ausgesprochen – allerdings nur auf 45 Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen will das europäische Klimaziel überhaupt nicht anheben. Das kritisiert der deutsche WWF-Klimaexperte Michael Schäfer scharf. "Angela Merkels Absage an ein höheres Klimaschutzziel der EU ist unverantwortlich, sie leugnet damit die Realitäten der Klimakrise", sagte Schäfer.

"Jetzt ist es an der Zeit, dass die EU durch einen ganzheitlichen, integrierten und wirkungsorientierten Ansatz für ihre langfristige Klimastrategie eine globale Führungsrolle übernimmt", forderte Imke Lübbeke, ebenfalls Klimaexpertin beim WWF in Brüssel.

Im Pariser Klimaabkommen haben sich die UN-Staaten 2015 verpflichtet, innerhalb von fünf Jahren eine Klimaschutzstrategie bis zur Mitte des Jahrhunderts einzureichen. Die EU-Kommission will eine solche Strategie im November vorstellen. Derzeit läuft dazu eine öffentliche Konsultation. Noch bis zum 9. Oktober können Bürger ihre Stellungnahmen zu der Strategie einreichen. 

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