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Emissionshandel im Tief

Erstmals seit sieben Jahren haben die Unternehmen, die am europäischen Emissionshandel teilnehmen, wieder mehr CO2 ausgestoßen.


Das polnische Braunkohlekraftwerk Bełchatów stößt in Europa am meisten CO2 aus. Gleich danach folgen Anlagen in Deutschland.

 (Foto:

Grzegorz Mordalski/​Wikimedia Commons)

Unternehmen, die am Europäischen Emissionshandelssystem ETS teilnehmen, haben 2017 wieder mehr CO2 ausgestoßen – zum ersten Mal seit sieben Jahren. Das geht aus vorläufigen Zahlen der EU-Kommission hervor, die die Frankfurter Rundschau analysiert hat. Der Anstieg betrug demnach 0,3 Prozent. Dadurch wuchs der Kohlendioxid-Ausstoß der rund 13.900 vom ETS erfassten Firmen auf 1,75 Milliarden Tonnen. Das Umweltbundesamt (UBA) spricht sogar von einem Anstieg von 0,6 bis einem Prozent.

Unternehmen, die am ETS teilnehmen, sind Betreiber von Kraftwerken und Industrieanlagen sowie Airlines. Da der Durchschnittspreis für eine Tonne CO2 letztes Jahr laut UBA bei nur 5,88 Euro lag, fehlten Anreize für emissionsmindernde Investitionen im Industriebereich. Genau das soll der Emissionshandel eigentlich bewirken – wenn er funktioniert.

Allerdings ist der Preis für eine Tonne CO2 seit Anfang 2018 kräftig gestiegen. Er ist nun mehr als doppelt so hoch wie 2017 und liegt damit auf einem Niveau wie zuletzt im Jahr 2011. Hält der Trend das Jahr über an, müssten die Emissionen in diesem Jahr wieder sinken – wenn auch nicht genug.

Während die ETS-Emissionen im vergangenen Jahr insgesamt stiegen, gingen sie laut UBA bei den deutschen Anlagen zurück, und zwar um 3,4 Prozent. Eine Ausnahme war jedoch die energieintensive Industrie. Ihre Emissionen sanken 2017 nicht, sie stiegen gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent an. Die Anlagen der Eisen- und Stahlindustrie und der Zementklinker-Herstellung stießen sogar vier beziehungsweise fast sechs Prozent mehr aus.

Die Energiewirtschaft konnte ihre Emissionen hingegen um 5,4 Prozent senken. BDEW-Chef Stefan Kapferer lobte seine Branche denn auch: "Die Energiewirtschaft hat ihre Hausaufgaben gemacht." Andere Sektoren müssten nun "stärker in die Pflicht genommen werden", forderte er.

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