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Aus für Palmöl im Tank – aber nur langsam

Die EU-Kommission hat entschieden, dass der Einsatz von Palmöl für "Bio-Kraftstoffe" bis 2030 auf null heruntergefahren werden soll. Allerdings gibt es noch ein Schlupfloch, das geschlossen werden muss.


Kerne der Ölpalmfrucht, gelb bis dunkelrot gefärbt.
In der EU landet die Hälfte der Palmöl-Importe als Agrosprit in den Tanks. (Foto: One Village Initiative/​Flickr)

Palmöl als Diesel-Beimischung in Tank – das ist ein Irrweg. Einst wurde der Zusatz des "Bio-Kraftstoffs", der vor allem in Indonesien, Malaysia und Kolumbien produziert wird, eingeführt, um den Sprit klimafreundlicher zu machen. Tatsächlich bewirkt er das Gegenteil.

Die EU-Kommission hat aus dieser Erkenntnis nun die Konsequenzen gezogen und entschieden, dass der Einsatz von Palmöl auf dem aktuellen Niveau eingefroren und von 2023 bis 2030 schrittweise wieder auf null heruntergefahren werden muss. Zu verdanken ist das unter anderem dem öffentlichen Druck, den unter anderem die NGO-Kampagne "Not In My Tank" ausübte. Der Schritt war überfällig, allerdings gibt es noch ein Schlupfloch, das geschlossen werden muss.

Palmöl im Diesel gilt nach dem Beschluss künftig nicht mehr als "nachhaltig", es wird als Rohstoff mit hohem Risiko für die Rodung von Regenwald eingestuft. Damit fördert die EU seine Nutzung im Verkehrssektor nicht mehr über die Erneuerbare-Energien-Richtlinie.

Allerdings gibt es Ausnahmen. So wird Palmöl von Plantagen, die kleiner als fünf Hektar sind oder auf bisher "ungenutztem Gelände" angelegt wurden, weiterhin zugelassen.

Kritiker wie der Verband der deutschen Biokraftstoff-Industrie befürchten, dass Großunternehmen damit die Einfuhrbeschränkung durch Umdeklarierung ihrer Ware unterlaufen könnten. Sie fordern das EU-Parlament auf, das über den Beschluss noch beraten muss, dieses Schlupfloch durch striktere Zertifizierungsvorschriften zu stopfen.

Klar ist jedoch: Die EU korrigiert aufgrund des öffentlichen Drucks ein Fehlentscheidung von 2003, als die neue Biokraftstoff-Richtlinie Tür und Tor auch für importiertes Palm- und Sojaöl im Verkehrssektor öffnete. Dessen CO2-Bilanz ist miserabel, laut einer Studie des europäischen Dachverbands "Transport & Environment" ist Palmöl dreimal und Sojaöl zweimal so klimaschädlich wie normaler Diesel.

Frankreich stoppt Palmöl-Diesel schon 2020 statt 2030

Hauptgrund dafür: Die Plantagen werden meist auf früheren Urwaldflächen und anderen Naturgebieten angelegt, wo durch das Roden und Abbrennen große Mengen an CO2 in die Atmosphäre gelangen. Studien zeigen, dass das zwischen 2008 und 2015 für fast die Hälfte der Plantagen galt.

Auch die Artenvielfalt leidet stark unter der Ausweitung der Anbauflächen, zudem wächst die Flächenkonkurrenz zum Lebensmittel-Anbau. Das wiederum ist ein Risikofaktor für die Lebensmittel-Preise.

Durch den "Biosprit"-Ansatz wurde die EU nach Indien mit jährlich vier Millionen Tonnen zum weltweit zweitgrößten Importeur von Palmöl, wobei inzwischen mehr als die Hälfte der Menge in den Verkehrssektor geht. Diese Nutzung herunterzufahren ist überfällig, genauso wie die Strategie, das Pflanzenöl auch in den anderen Bereichen – Nahrung, Waschmittel, Kosmetik – so weit wie möglich durch weniger belastende Alternativen zu ersetzen oder auf streng öko-zertifiziertes Palmöl umzusteigen.

Allerdings ist die Auslauffrist bis 2030 für die Dieselbeimischung viel zu lang. Sie wurde offenbar gewählt, um die Anbauländer zu besänftigen – Malaysia hat bereits mit Gegenmaßnahmen gedroht. Deutschland sollte sich daher ein Beispiel an Frankreich nehmen, das die Palmöl-Nutzung im Diesel durch eine nationale Regelung bereits ab 2020 untersagt.

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