Aus dem Garten Eden fließt ein Strom, der sich in vier Flüsse teilt: Pischon, Gihon, Euphrat und Tigris. Das Wasser spendet dem Land Furchtbarkeit und Leben. So steht es im Buch Genesis.

Als Schriftgelehrte diese Verse wohl ab etwa 1000 vor unserer Zeitrechnung niederschrieben, präsentieren sich ihnen die Flussebenen des Euphrat und Tigris – die Flüsse Pischon und Gihon können geografisch nicht zugeordnet werden – als blühende Landschaften. Sie waren das Ergebnis einer intensiven Bewässerungslandwirtschaft, erst der Sumerer, dann der Babylonier und Assyrer, sowie eines milderen, regenreicheren Klimas.

 

Wer heute durch Syrien, Irak und Iran reist, kann über die antiken Beschreibungen nur staunen. Die ohnehin trockene Region leidet seit fünf Jahren an der schlimmsten Dürre seit mindestens einem halben Jahrhundert.

Die paradiesischen Wassermassen des Euphrat und Tigris befinden sich auf einem historischen Tiefstand. Im Irak führen die Flüsse fast ein Drittel weniger Wasser als im langjährigen Durchschnittlich. 2025 ist hier das trockenste Jahr seit 1933.

Im benachbarten Syrien fielen 70 Prozent weniger Regen als im Schnitt zwischen 1980 und 2010. Die Erträge der überwiegend regenabhängigen Landwirtschaft sind eingebrochen.

Nach Prognosen der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO werden Syrien am Ende des Jahres rund 2,7 Millionen Tonnen Getreide fehlen – ein Ausfall, der die Ernährungssicherheit von rund 16 Millionen Menschen, zwei Dritteln der Bevölkerung, gefährdet.

Dürre ohne Klimawandel kaum möglich 

Im Iran hat vor zwei Monaten die Regenzeit begonnen und in einem Großteil des Landes ist bis heute noch kein einziger Regentropfen gefallen. Es gibt offizielle Warnungen, dass Teheran bei anhaltender Dürre unbewohnbar werden dürfte.

Anfang November kündigte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian in einer Rede an, sofern bis Dezember kein Regen falle, müsse zunächst das Wasser in der Hauptstadt rationiert werden. "Selbst wenn wir rationieren und es weiterhin nicht regnet, werden wir bald überhaupt kein Wasser mehr haben. Dann müssen wir Teheran evakuieren", sagte Pezeshkian. Wie das bei einer Stadt mit neun Millionen Einwohner:innen und über 15 Millionen im Agglomerationsgebiet ablaufen soll, ließ er offen.

Neben einem ausgetrockneten Fluss weht eine Flagge Irans.
Ausgetrockneter Zayandeh in Isfahan: Dürreperioden treten im Iran regelmäßig auf, sie nehmen jedoch durch den Klimawandel zu. (Bild: Jérôme Cid/​Shutterstock)

Die "außergewöhnliche Dürre" sei weitgehend auf den Klimawandel zurückzuführen, schreibt die Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) in London in einer kürzlich erschienen Studie. Während solche Trockenperioden früher selten waren, haben demnach steigende Temperaturen und geringere Niederschläge die Wahrscheinlichkeit eines solchen Extremereignisses deutlich erhöht. In einem vorindustriellen Klima, etwa 1,3 Grad kühler als heute, wäre eine Dürre dieser Länge und Intensität kaum möglich gewesen.

Damit aktualisieren die Wissenschaftler:innen ihre Attributionsstudie von 2023. Schon damals zeigten die Modellergebnisse, dass der Klimawandel ein derartiges Ereignis rund 25-mal wahrscheinlicher gemacht hat. Die jetzige Analyse bestätigt und verstärkt diesen Befund.

Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle: Schnelles Bevölkerungswachstum, wasserintensive Landwirtschaft und Urbanisierung treffen auf ein ineffizientes und wenig nachhaltiges Wassermanagement.

Der Umweltexperte Touraj Fathi erklärte gegenüber der ARD: "Von je 100 Litern Wasser für die Stadt Teheran gehen zwischen 20 und 35 Liter verloren, sobald sie ins Trinkwassernetz eingespeist werden." Statt in moderne Wassersysteme zu investieren, setzte die Regierung nach Ansicht von Kritiker:innen zu lange auf eine immer intensivere Grundwasserförderung. Korruption verschärft die Lage zusätzlich.

Wasserknappheit birgt Konfliktpotenzial

Iranische Behörden setzen stattdessen auf Wolkenimpfung. Laut Medienberichten gab es kürzlich erste Versuche für das sogenannte Cloud Seeding. Dabei werden Partikel, etwa Salze oder Trockeneis, in die Atomsphäre ausgebracht. Sie sollen als Kondensationskerne dienen. An ihnen soll sich also Wasserdampf sammeln und kondensieren.

So sollen nicht nur bestehende Wolken zum Abregnen gebracht, sondern auch die Entstehung neuer Wolken angeregt werden. Die tatsächliche Wirksamkeit der Methoden ist umstritten.

Die Wasserknappheit in der Region birgt dabei erhebliches Konfliktpotenzial. Während bereits Regengebete abgehalten werden, machen nicht wenige im Iran die Regierung für die Situation verantwortlich. Bereits 2018 und 2021 war es aufgrund von Wasserknappheit zu gewalttätigen Protesten in Teilen des Landes gekommen.

Auch Irak und Syrien stehen vor politischen Spannungen. Der Irak appelliert an die Türkei, mehr Wasser in den Euphrat und den Tigris durchzulassen. Der Wasserfluss in den Irak ist durch große Staudämme in der Türkei und dem Iran stark reduziert.

Aufgrund dieser einseitigen Maßnahmen – es gibt keine umfassenden Vereinbarungen zur Wasseraufteilung in der Region – erhält der Irak weniger als 40 Prozent seines historischen Wasseranteils. Syrien ist ebenso von der Wasserdurchleitung aus der Türkei abhängig. In der Vergangenheit hat das immer wieder zu erheblichen Spannungen geführt.

Ein einzelnes trockenes Jahr werde keine Krise auslösen, sagte die Hauptautorin der WWA-Studie, Mariam Zachariah. Doch der Klimawandel mache diese Trockenperioden länger und härter und lasse "den Ländern der Region weniger Zeit zur Erholung".