Wasser wird knapp

Trotz der Regenfälle der letzten Wochen herrscht nach wie vor extreme Dürre in Deutschland. Die schon das dritte Jahr in Folge anhaltende Trockenheit erfordert einen Paradigmenwechsel in der Wassernutzung.


Regentropfen fallen in eine Pfütze
Regenwasser einfach abfließen lassen? Das ist mittlerweile keine so gute Idee mehr. (Foto: Thomas B. Didgeman/​Pixabay)

Aus extrem ist normal geworden, warnte kürzlich der Deutsche Wetterdienst (DWD). In allen Regionen und in allen Höhenlagen sind die Sommer nach den Daten der Wetterbehörde mittlerweile deutlich heißer. "Was früher ein extrem heißer Sommer war, ist heute ein durchschnittlicher Sommer."

Der DWD spricht von einem "drastischen Phänomen". Selbst die kühlsten Sommer der letzten 25 Jahre blieben meist deutlich über dem langjährigen Durchschnitt vor 1990.

Die Erwärmung bringt nicht nur mehr Hitzewellen, Tropennächte und eine steigende Waldbrandgefahr mit sich. Sie verstärkt auch Dürreperioden. Denn je wärmer es ist, desto mehr Feuchtigkeit verdunstet aus dem Boden. Zudem, so der DWD, verlängern höhere Temperaturen die Vegetationszeit und somit die Zeit, in der Pflanzen dem Boden Wasser entnehmen.

Zwar hat es zuletzt relativ viel geregnet. Von der Rekordhitze und Trockenheit der "Jahrhundertsommer" 2018 und 2019 ist Deutschland bislang verschont geblieben. Von einem "typischen mitteleuropäischen Sommer" sprach Jacqueline Kernn vom DWD. Auch beim Niederschlag stehe man "nicht allzu schlecht da".

Dennoch ist es immer noch zu trocken in Deutschland. Die Niederschläge in den letzten Wochen haben bei Weitem nicht ausgereicht, um auch die tiefen Bodenschichten wieder mit Wasser aufzufüllen.

Das Frühjahr 2020 war laut DWD bereits zum siebten Mal in Folge zu trocken und damit eines der sechs niederschlagsärmsten seit 1881. Statt 186 Litern pro Quadratmeter fielen nur 108 Liter.

Wasserdefizit bleibt

"Es müsste viele Wochen überdurchschnittlich viel regnen, um das Wasserdefizit im Gesamtboden auszugleichen", sagt Andreas Marx, der beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig für den Dürremonitor zuständig ist.

Das UFZ-Schaubild für den "Gesamtboden" bis in eine Tiefe von durchschnittlich 1,80 Meter zeigt fast überall Gelb bis Dunkelbraun, das heißt: "ungewöhnlich trocken" bis "außergewöhnliche Dürre". Dramatisch ist die Lage vor allem im Osten des Landes.

Vom "dritten Jahr mit extremer Dürre in Folge" spricht Marx. Das habe es in Deutschland bisher noch nicht gegeben.

Die Schäden sind enorm. 250.000 Hektar Wald sind laut UFZ durch die letzten beiden Dürresommer verloren gegangen. Die Schadholzmenge liegt bei 70 Millionen Festmetern und entspricht drei Jahreseinschlägen.

Die Landwirtschaft verzeichnete durch Ernteausfälle Milliardenverluste. Rhein und Elbe waren zeitweilig nicht schiffbar, was sich in höheren Benzinpreisen bemerkbar machte, weil Tankstellen nicht beliefert werden konnten.

Zudem sinkt bei steigenden Wassertemperaturen der Sauerstoffgehalt. Das Grundwasser wird ebenfalls wärmer und seine Qualität schlechter.

Wasser länger und mehrfach nutzen

Auch die Bürgerinnen und Bürger treibt das Thema um. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) machen sich 78 Prozent große und sehr große Sorgen wegen der anhaltenden Trockenheit.

"Wasser ist ein knappes Gut", sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. "Nutzungskonflikte werden künftig zunehmen." Die Stiftung fordert deshalb einen Paradigmenwechsel. Durch ein kluges Wassermanagement im ländlichen Raum solle dafür gesorgt werden, dass mehr Wasser in der Landschaft bleibt.

"Früher ging es darum, Wasser schnell abfließen zu lassen", sagt Maximilian Hempel, der bei der DBU für Umweltforschung und Naturschutz zuständig ist. Man entwässerte Flächen über Gräben und Drainagen und begradigte Flüsse und Bäche. So konnten Moore, Auen und Feuchtgebiete nutzbar gemacht werden.

Es blieben aber auch nur wenige Reserven in der Landschaft. "Regnet es längere Zeit nicht, trocknen die Flächen immer mehr aus und der Grundwasserspiegel sinkt", sagt Hempel. "Heute muss es darum gehen, Wasser länger und kaskadenartig zu nutzen."

Wie das gehen könnte, zeigen beispielhafte Projekte, die von der DBU gefördert werden und die betroffenen Akteure aus Behörden, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz zusammenbringen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Etwa das Schließen von Entwässerungsgräben, um eines der größten nutzbaren Grundwasservorkommen Nordrhein-Westfalens, die Halterner Sande, weniger stark zu beanspruchen.

Oder Renaturierungsmaßnahmen an der Mulde in Sachsen, die dem Fluss mehr Raum geben und damit zugleich Artenvielfalt und Wasserqualität fördern und die Hochwassergefahr reduzieren.

Umweltschützer fordern Humusaufbau

Als eine Möglichkeit, mehr Wasser im Boden zu halten, schlägt der Umweltverband BUND den Aufbau von Humus auf den Äckern vor. "Humusreiche Böden können bis zu einem Vierfachen ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen", sagt Burkhard Roloff vom BUND Mecklenburg-Vorpommern. Auch eine höhere Kohlenstoffspeicherung in den Böden wird dadurch erzielt.

Und auch die Energiewende hat einen positiven Einfluss auf den Wassersektor, zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie des Clausthaler Umwelttechnik-Forschungszentrums (Cutec). Bis zum Jahr 2050 wird sich demnach der Wasserbedarf des Energiesektors mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien um die Hälfte verringern.

Zwar geht ein intensiverer Anbau von Energiepflanzen mit hohem Bewässerungsbedarf einher. Andererseits entfällt dann die Kühlwassernutzung durch Kohle- und Atomkraftwerke.

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