Raus aus dem Plastikstrudel

Wenn niemand gegensteuert, wird in 20 Jahren mehr als zweieinhalbmal so viel Plastikmüll in die Ozeane geschwemmt wie heute, zeigt ein Report. Es gebe aber Lösungen, um die Plastikfrachten drastisch zu senken – und dabei auch Treibhausgase und Geld zu sparen.


Kunststoffmüll schwimmt in türkisblauem Meerwasser, von oben aufgenommen.
Rund Elf Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in den Ozeanen. (Foto: M. Anaked/​Shutterstock)

Corona hat lange Zeit alle anderen Probleme verdrängt. Nur: verschwunden sind sie dadurch nicht, und sie harren weiter einer Lösung.

So die Plastikmüll-Krise. Meere sind zur Kunststoff-Deponie geworden, und die Pandemie verschärft das Problem in vielen Ländern noch. Essensverpackungen, Einwegbecher, Schutzanzüge, Plastikhandschuhe – mehr Ex-und-hopp-Materialien denn je werden verbraucht.

Doch auch abgesehen von Corona – ein Ende des Plastikbooms ist nicht in Sicht. Derzeit gelangen pro Jahr rund elf Millionen Tonnen Kunststoff in die Weltmeere, schätzen Experten um Yonathan Shiran von der Londoner Denkfabrik Systemiq in einem Report für die US-Meeresschutzstiftung Pew.

Wird nicht gegengesteuert, erhöht sich diese Menge bis 2040 auf 29 Millionen, haben sie hochgerechnet. Das hieße, umgerechnet: Jede Sekunde würden dann vier Lkw-Ladungen Plastikmüll in die Ozeane abgekippt.

Die gute Nachricht: Die Sache ist nicht aussichtslos. "Es hat nur eine Generation gebraucht, um dieses Problem zu erschaffen", sagt Martin Stuchtey, Geografieprofessor an der Uni Innsbruck, Gründer von Systemiq und Mitautor der Studie. Der Bericht zeige aber auch, dass es in einer Generation wieder lösbar sei.

Es gebe "keinen Raum mehr für Ausreden", meint Stuchtey. Alle Lösungen, um die Plastikfrachten ins Meer um 80 Prozent zu senken, seien schließlich bereits vorhanden.

Lohnender Systemwechsel

Freilich braucht es dafür radikale Änderungen in allen Bereichen, die mit dem Thema zu tun haben. Stichworte: Verringerung des Produktionswachstums und des Verbrauchs von Plastik, Ersatz einiger Kunststoffe durch Alternativen wie Papier und kompostierbare Materialien sowie Design von Produkten und Verpackungen mit Blick auf das Recycling.

Hinzu kommen eine Ausweitung der Abfallerfassung in Entwicklungs- und Schwellenländern, die Steigerung des Plastikrecyclings sowie die Verringerung der Exporte von Kunststoffabfällen.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Ein ambitioniertes Projekt, nämlich ein kompletter "Systemwechsel", verglichen mit der bisherigen Ex-und-hopp-Kultur. Doch lohnend.

Laut dem Systemiq-Report könnten die Treibhausgas-Emissionen, die bei der Herstellung von Kunststoffen anfallen, um 25 Prozent reduziert werden. Zudem könnten 700.000 Arbeitsplätze, etwa in der Recyclingbranche, neu entstehen. Und die Regierungen könnten bis 2040 Ausgaben von 70 Milliarden US-Dollar einsparen.

Das sind zwar Peanuts verglichen mit den Corona-Wiederaufbaukosten. Aber Kleinplastik macht eben auch Mist.

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