In Pakistan regnet es unerbittlich weiter. Seit Ende Juni überfluten heftige Monsunregenfälle den Norden des Landes. Zunächst war vor allem die Region Punjab betroffen, doch seit Mittwoch steht auch die Hauptstadt Islamabad unter Wasser. Die pakistanische Wetterbehörde PMD warnt nun vor einer weiteren Regenperiode bis zum 13. August.

Seit Beginn der Regenzeit haben nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde NDMA über 300 Menschen ihr Leben verloren. 700 wurden verletzt. 

Außerdem hat die Flut landesweit 1.600 Häuser beschädigt. "Wir sind jetzt obdachlos. Die Regierung hat uns nur Lebensmittelrationen im Wert von 50.000 Rupien (rund 150 Euro) und sieben Zelte gegeben, in denen wir seit zwei Wochen leben", erzählte beispielsweise der 50-jährige Saqib Hassan aus Nordpakistan der Agentur Associated Press (AP).

Der Katastrophenschutz hat mittlerweile mehrere tausend Menschen aus den Hochwassergebieten evakuiert, medizinische Lager aufgebaut und zudem Hilfsgüter wie Zelte, Lebensmittelpakete oder Schwimmwesten verteilt, berichtete AP weiter.

Lebenswichtiger Regen wird zur tödlichen Flut

Dabei ist der jährliche Monsunregen von Juni bis September für Südasien eigentlich ein normales und sogar überlebenswichtiges Ereignis. Beispielsweise hilft er, die Wasserreserven wieder aufzufüllen.

"Doch der Monsun in Pakistan hat sich so sehr verstärkt, dass selbst Monate mit mäßigem Regen zu einer hohen Zahl an Todesopfern führen", erklärt die Atmosphärenforscherin Mariam Zachariah vom Imperial College London.

 

Ursache für die heftigeren Monsunregenfälle in Pakistan ist die vom Menschen verursachte Erderwärmung. Dies zeigt eine Studie der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA).

Um zehn bis 15 Prozent erhöhte der Klimawandel die Intensität der aktuellen Monsunregenfälle. Das Ergebnis bezieht sich konkret auf die Tage vom 24. Juni bis zum 23. Juli.

"Im heutigen Klima ist ein solches Ereignis schon nicht mehr besonders extrem und hat eine Wiederkehrwahrscheinlichkeit von einmal in fünf Jahren", ordnet Mariam Zachariah die aktuelle Häufigkeit bei einem Medientermin ein.

Bereits die verheerende Flutkatastrophe in Pakistan 2022 wurde maßgeblich durch den Klimawandel verschärft. Die Erderwärmung verstärkte damals die Intensität der fünf niederschlagsreichsten Tage möglicherweise sogar bis um die Hälfte, wie eine WWA-Studie zeigte. Mehr als 1.700 Menschen verloren bei dem Mega-Unwetter in Pakistan ihr Leben.

Bis heute hat sich das Land noch nicht ganz von den verursachten Schäden erholt. "Die Überschwemmungen im Jahr 2022 haben deutlich gemacht, wie anfällig Pakistan für den Klimawandel ist. Drei Jahre später fordern Monsunhochwasser immer noch schockierende Verluste an Menschenleben", sagt Fahad Saeed vom Forschungskonsortium Climate Analytics. Der Geowissenschaftler ist Mitautor der aktuellen Studie.

Solange die Länder der Welt immer noch auf fossile Brennstoffe setzen und so den Planeten weiter erwärmen, werde Pakistan von immer stärkeren Regenfällen heimgesucht werden, weisen die Forscher nicht zum ersten Mal auf den Zusammenhang hin.

Einstürzende Wohnhäuser als Haupt-Todesursache

Die häufigste Todesursache bei den Überschwemmungen der letzten Wochen sind Hauseinstürze. Mehr als die Hälfte der Opfer kam auf diese Weise ums Leben.

Etwa die Hälfte der Stadtbevölkerung in Pakistan lebt in informellen Siedlungen, den sogenannten katchi abadis. Diese liegen häufig an hochwassergefährdeten Flussufern und haben keinen zuverlässigen Zugang zu Regenwasserabfluss-Systemen, wie die aktuelle WWA-Studie erläutert.

Ein Wellblech-Haus am Flussufer wurde auf hohen Bambusstelzen errichtet, um Hochwasser standzuhalten.
Haus auf Bambusstelzen in einer informellen Siedlung am Fluss – sieht so die Zukunft für immer mehr flutgefährdete Städte in Südasien aus? (Bild: John Grummitt/​Shutterstock)

Zudem sind die Gebäude in den katchi abadis aus Materialien wie Lehm und Ziegeln provisorisch errichtet. Entsprechend instabil sind die Behausungen bei Hochwasser.

Menschen, die seit Generationen in katchi abadis leben, kennen die im Hochwasserfall sicheren Zonen und Evakuierungsrouten und überstehen die Überschwemmungen oft halbwegs unbeschadet.

Doch in den letzten Jahren sind viele weitere Menschen vom Dorf in die Stadt gezogen. Diese Zugezogenen haben weniger Erfahrung in der Selbstevakuierung. Für sie haben Überschwemmungen teilweise verheerende Auswirkungen, wie die Forscher:innen berichten.

Die mangelnde Durchsetzung von Bauvorschriften und die Bautätigkeit in Überschwemmungsgebieten verschärfen das Ausmaß der Schäden noch.

"Dies ist eine deutliche Erinnerung daran, dass selbst moderate Monsunwellen in unserem gegenwärtigen Klima weitreichende Zerstörungen auslösen können, sofern noch bauliche Schadensanfälligkeit, ungeplantes Stadtwachstum und mangelhafte Entwässerungssysteme hinzukommen", bemerkt Klimaforscher Fahad Saeed.

Die Förderung katastrophenresistenter Bauweisen und die Einschränkung der Bebauung von Überschwemmungsgebieten könnten dazu beitragen, die Folgen extremer Regenfälle zu verringern, so die Forscher:innen. Beispielsweise haben sich in Pakistan erhöhte, auf Bambusrahmen gebaute Lehmhäuser als wirksamer Schutz erwiesen.

Pakistan benötigt internationale Anpassungsfinanzierung

Doch für solche Bauvorhaben sowie auch für weitere Klimaanpassung benötigt Pakistan internationale Anpassungsfinanzierung.

Auf dem Klimagipfel COP 29 in Baku hatten sich die reichen Staaten im vergangenen Jahr eigentlich darauf geeinigt, die Klimafinanzierung für Entwicklungsländer bis 2035 deutlich zu erhöhen.

"Reiche Länder, die für den Klimawandel verantwortlich sind, haben Milliarden für die Anpassungsfinanzierung zugesagt, aber wo ist das Geld?", fragt Joyce Kimutai vom Imperial College. "Inzwischen sind die Entwicklungsländer gezwungen, ihre begrenzten Staatshaushalte, die für wichtige öffentliche Dienstleistungen vorgesehen sind, umzulenken, um auf die eskalierenden klimabedingten Katastrophen zu reagieren."

Der Internationale Gerichtshof hatte kürzlich klargestellt, dass das Versäumnis der Industrieländer, ärmeren Staaten Finanzmittel zur Klimaanpassung bereitzustellen, ein völkerrechtswidriges Handeln darstellen könnte, das auch rechtliche Konsequenzen haben kann.

Das scheint nur fair – denn Pakistan ist nur für etwa 0,5 Prozent der globalen historischen CO2-Emissionen verantwortlich, gehört aber laut aktuellem Klima-Risiko-Index der deutschen NGO Germanwatch zu den Ländern, die am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.

"Hunderte Todesopfer in jeder Monsunzeit dürfen in Pakistan nicht zur Normalität werden", fordert Joyce Kimutai. "Die COP 30 in Brasilien muss die versprochene Klimafinanzierung einlösen und dafür sorgen, dass Länder wie Pakistan die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, um sich an die zunehmenden Klimaauswirkungen anzupassen."