Kein Heckmeck

Nicht nur Wälder sind echte Klimaschützer, auch Hecken zwischen Feldern und Wegen. Und sie sind auch fast so effektiv, wie Forschende aus Braunschweig jetzt herausfanden. Dummerweise wurde in den letzten 70 Jahren jeder zweite Heckenmeter gerodet.


Windrad in welliger Landschaft mit Weiden und Hecken.
Agrarlandschaft mit Hecken: Nicht produktiv genug, hieß es früher auch in der Agrarforschung. Jetzt wird zurückgerudert. (Foto: Annie Spratt/​Unsplash)

Wälder, die aufgeforstet werden, sind Klimaschützer. Moore, die nach der Trockenlegung wieder geflutet ("vernässt") werden, auch, sogar sehr effektive.

Mit diesen beiden Maßnahmen lassen sich große Mengen des Treibhausgases CO2 wieder aus der Atmosphäre holen. Das ist lange bekannt. Doch es gibt eine weitere natürliche Klimafreundin, über die kaum einer spricht: die Hecke.

Die Hecke? Jener "linienförmige Aufwuchs (ein- oder mehrreihig) dicht stehender, stark verzweigter Sträucher", wie Wikipedia erläutert, soll uns helfen können gegen die Klimakrise? Unglaublich, aber wahr.

Denn, Beispiel: Eine auf Ackerland neu angepflanzte Hecke von 720 Metern Länge kann langfristig die gesamten Treibhausgas-Frachten kompensieren, die ein Durchschnittsdeutscher binnen zehn Jahren emittiert. Das zeigen zumindest Berechnungen, die am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig angestellt wurden.

Erklärung: Die Hecken wirken auf den Äckern wie ein kleiner Wald, der neu angelegt wird. Durch die Einlagerung von Kohlenstoff in der Biomasse der Hecke und als Humus im Boden nehmen sie CO2 aus der Atmosphäre auf und machen es "klima-unschädlich".

Die Forschenden waren selbst überrascht: Pro Hektar wird in einer Hecke fast genauso viel "C" gebunden wie in Wäldern. Das könne mit der hohen Dichte an Ästen und Zweigen in Hecken und den guten Wuchsbedingungen auf den Äckern erklärt werden. Besonders viel Kohlenstoff wird dabei in den Wurzelstöcken der Hecken festgelegt.

Das Problem, das nun aber auch eine Chance bietet: In den letzten 70 Jahren wurde laut dem Institut fast die Hälfte aller Hecken in der Agrarlandschaft beseitigt, meist durch Flurbereinigungsmaßnahmen. Es entstanden vielfach Agrarwüsten mit den entsprechenden negativen Folgen.

Dies wieder zurückzudrehen wäre ein Segen. Denn neben dem Klimaeffekt schützen neue Hecken den Boden auch vor Winderosion und haben eine kühlende Wirkung, so die Forscher:innen. Ein Dürresommer wie 2018, der auch wieder kommen wird, richtet in einer heckenreichen Agrarlandschaft weniger Schaden an.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Und noch ein Punkt, der dafür spricht: Von Hecken profitieren auch viele Tiere und Pflanzen, für die sie Lebensraum und ein Verbindungsglied zwischen sonst getrennten Biotopen sind.

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