Konsum ab sofort auf Pump: Der "Erdüberlastungstag" ist in diesem Jahr erneut nach vorne gerückt – auf den heutigen 24. Juli. Mit dem Datum wird signalisiert, dass die Menschheit die erneuerbaren Ressourcen der Erde bereits verbraucht hat, die ihr rechnerisch gesehen für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen.

Um die Ansprüche ohne eine Überlastung der Ökosysteme zu erfüllen, wären theoretisch 1,8 Erden notwendig. Da Industrieländer wie Deutschland auf einem Niveau leben, für das rechnerisch sogar drei Erden oder mehr nötig sind, fordern Umweltorganisationen hierzulande ein effektives Ressourcenschutzgesetz.

 

Der symbolische Öko-Warntag fällt seit rund zehn Jahren auf Ende Juli oder Anfang August. Im vergangenen Jahr war es der 1. August, diesmal liegt er also gleich sieben Tage früher.

Eine gewisse Entspannung hatte es nur während der Corona-Pandemie gegeben, als wegen der Lockdowns der Verkehr und die Industrieproduktion zurückgingen. Dadurch sank auch der Umwelt-"Fußabdruck" der Menschheit, und die Überlastung setzte erst später ein.

Der "Earth Overshoot Day" wird seit Mitte der 1980er Jahre von der US-Organisation Global Footprint Network berechnet. Sie analysiert dafür, ab wann im Jahr die Menschheit mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald beansprucht, als rechnerisch zur Verfügung stehen, und mehr CO2 ausgestoßen wird, als Wälder und Ozeane aufnehmen können.

Ausgeglichen war die Bilanz nur bis zum Ende der 1960er Jahre. Als die Organisation den Warntag 1987 erstmals berechnete, fiel er noch in den Oktober.

Einzelne Länder zeigen, dass es anders geht

Der weltweite Verbrauch nachwachsender Rohstoffe wie zum Beispiel Holz hat sich seit Ende der 1960er Jahre ungefähr verdoppelt. Hinzu kommt, dass auch nicht nachwachsende Rohstoffe wie Baustoffe, Erdgas oder Metalle immer stärker genutzt werden – ihr globaler Konsum hat sich insgesamt mehr als verdreifacht.

Das sorgt nicht nur für erhebliche Umweltschäden und Treibhausgasemissionen, sondern oft auch für soziale Konflikte in den Ländern, in denen sie gewonnen werden.

Müllverbrennung wird hierzulande als "thermisches Recycling" schöngeredet und gilt als teils erneuerbare Energiequelle. (Bild: Vincent Krijtenburg/​Shutterstock)

Einige Industrie- und Erdölländer haben eine besondere schlechte Bilanz, der Überlastungstag liegt für Katar schon am 6. Februar und für die USA am 13. März. In Frankreich ist es der 19. April, in Deutschland der 3. Mai, in Ungarn der 2. Juni. China hat den 23. Mai, die Türkei den 18. Juni, Brasilien den 1. August.

Viele arme Entwicklungsländer wie Burundi oder Bangladesch überschreiten ihre Öko-Kapazitäten noch nicht, gleichzeitig liegt der materielle Lebensstandard dort sehr niedrig.

Ein positives Beispiel liefert das südamerikanische Land Uruguay, das einen respektablen Wohlstand – Platz 52 im globalen Vergleich – mit Nachhaltigkeit verbindet. Uruguay kommt bis zum 17. Dezember mit seinen natürlichen Ressourcen aus – rund fünf Monate länger als der globale Durchschnitt.

Führende Industrieländer wie Deutschland haben eine besondere Verantwortung, ihren hohen Ressourcenverbrauch zu senken. Umwelt- und Entwicklungsverbände mahnen daher, einen schonenderen Umgang mit den Rohstoffen nicht nur als allgemeines Ziel zu formulieren, sondern in konkrete Politik umzusetzen.

"Der Ressourcenverbrauch muss real sinken"

Der BUND und Misereor zum Beispiel fordern jetzt anlässlich des Erdüberlastungstages verbindliche Reduktionsziele im Rahmen eines Ressourcenschutzgesetzes.

Misereor-Umweltexpertin Lisa Pier sagte dazu, der Rohstoffverbrauch in Deutschland müsse sinken und die Kreislaufwirtschaft gestärkt werden. "Ein Gesetz mit sektorspezifischen Reduktionszielen ist der wichtigste Hebel – noch vor Recycling und Wiederverwendung".

Hierzulande existiert seit letztem Jahr eine "Kreislaufwirtschaftsstrategie", verabschiedet noch von der Ampel. Die neue Merz-Regierung erarbeitet dafür gerade ein "Eckpunktepapier kurzfristig realisierbarer Maßnahmen".

Der BUND fordert, dass darin ein rechtlicher Rahmen zur Reduktion des Primärrohstoffverbrauchs aufgenommen wird. Zudem sollten wichtige Maßnahmen aus der Strategie Vorrang erhalten und ein wirkungsvolles Monitoring festgelegt werden. Auch braucht es aus Sicht des Umweltverbandes eine Finanzierung dieser Maßnahmen und eine starke Plattform mit Beteiligung der Zivilgesellschaft.

Als weitere Schritte forderte der BUND die Förderung von Mehrweg, Recycling und Sekundärrohstoffen. Dazu müsse eine Kreislaufwirtschafts-Infrastruktur aufgebaut werden. Die Finanzierung könne zum Beispiel über den Klima- und Transformationsfonds laufen.

 

Der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt sagte dazu: "Es ist gut, dass die Bundesregierung die Kreislaufwirtschaft weiter voranbringen will. Um den Ressourcenverbrauch wirklich zu senken, reichen aber nicht nur ein paar Anreize hier und ein bisschen mehr Recycling da."

Auf einem endlichen Planeten sei ewiges Wirtschaftswachstum nicht möglich. Deshalb müsse die Ressourcenverschwendung gestoppt werden, so Bandt. "Deutschland hat die Köpfe und Unternehmen, die einen unabhängigen und beständigen Wohlstand trotz begrenzter inländischer Ressourcen sichern können."