Heißer September, schrumpfendes Eis

Der vergangene September bricht weltweit etliche Temperaturrekorde. Rekordverdächtig ist auch der starke Rückgang des arktischen Meereises in den vergangenen Wochen.


Arktis
Abendstimmung in der zentralen Arktis – durch Wolkenlücken scheint die Sonne auf das immer dünner werdende Meereis. (Foto: Stefan Hendricks/​AWI)

Weltweit wurden noch nie so hohe Tempaturen gemessen wie im vergangenen Monat. Daten des EU-Forschungsdienstes Copernicus zufolge war der diesjährige September um 0,05 Grad wärmer als der bislang wärmste September im Jahr 2019. Damit lag er um 0,63 Grad über den Monatsdurchschnittstemperaturen der 30-jährigen Referenzperiode von 1981 bis 2010.

Überdurchschnittlich hohe Temperaturen gab es auch in weiten Teilen Europas. Vor allem in den Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres, aber auch auf dem Westbalkan, in den baltischen Staaten und in Frankreich war es wärmer als üblich. Nur an wenigen Orten Europas, wie auf Island, war es kühler als im langjährigen Durchschnitt.

Weit über dem Durchschnitt lagen die Temperaturen im Nahen Osten wie beispielsweise in Jordanien und Israel. Auch in Australien und Teilen Südamerikas wurde hohe Temperaturen gemessen. Vor der Küste Nordsibiriens war es ebenfalls ungewöhnlich warm. Auch im sibirischen Teil der Arktis waren die Temperaturen im September wärmer als üblich.

In der Arktis dauert die Hitzeperiode, die im Frühling einsetzte, weiter an. Ungewöhnlich sind nach Angaben der Copernicus-Forscher:innen das Ausmaß und die Dauer der warmen Temperaturen. Die Arktis erwärmt sich stärker als jede andere Region auf der Erde.

Das hat auch Einfluss auf die arktische Meereseisdecke. Diese erreichte im September die zweitniedrigste Ausdehnung, die je gemessen wurde. Mitte September maß die Eisdecke in der Arktis nur 3,84 Millionen Quadratkilometer. Nur im September 2012 war die Meereseisdecke noch stärker geschrumpft – auf ganze 3,37 Millionen Quadratkilometer.

2020 wird zum Rekordanwärter

"2020 zeigte einen ungewöhnlich schnellen Rückgang des arktischen Meereises im Juni und Juli – in genau der Region, in der überdurchschnittlich hohe Temperaturen verzeichnet wurden", sagte Carlo Buontempo vom Copernicus-Forschungsdienst. "Dieser frühe Rückgang war die Voraussetzung dafür, dass die Ausdehnung der Meereisdecke dieses Jahr besonders gering ausfiel."

Im Jahresverlauf erreicht das arktische Meereis jeweils im März seine größte und im September die kleinste Ausdehnung. Anfang der 1980er Jahre kam das arktische Meereis in seiner minimalsten Ausdehnung noch auf etwa sieben Millionen Quadratkilometer. Dass es in den kommenden Jahrzehnten im September noch einmal Eisbedeckungen in dieser Größenordnung geben wird, wie sie noch bis zur Jahrtausendwende vorkamen, erwarten Wissenschaftler:innen nicht.

Die US-amerikanische Wetterbehörde NOAA geht davon aus, dass 2020 als eines der fünf heißesten Jahre seit Beginn der Messungen enden wird. Es gebe eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent, dass 2020 auf dem ersten oder zweiten Platz landen und damit ähnlich heiß oder sogar noch heißer als das bisher heißeste Jahr 2019 sein wird.

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