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Grundwasser marsch

Die Ressource im Boden ist in vielen Weltregionen stark übernutzt und verschmutzt. Die Grundwasser-Neubildung ist auch in Deutschland rückläufig. In Afrika kann ausreichend viel und sauberes Wasser aber helfen, mehr Nahrungsmittel zu erzeugen und den Klimawandel abzufedern.


Grundwasserstandsmessung: Ein Messband wird in ein senkrecht aus dem im Boden ragendes Rohr eingelassen.
Messungen zeigen: In Deutschland ist die Grundwasserneubildung eingeschränkt. (Foto: Jan-Herm Janßen/​Wikimedia Commons)

Grundwasser ist eine der wichtigsten Ressourcen. Die Hälfte der Privathaushalte weltweit bezieht daraus ihr Trinkwasser, und auch ein Viertel der Bewässerung in der Landwirtschaft hängt davon ab.

Doch die Grundwasservorkommen werden in einigen Weltregionen dramatisch übermäßig ausgebeutet und verschmutzt. In anderen hingegen wird zu wenig Gebrauch davon gemacht, wodurch die Entwicklung leidet. Das sind die Kernbotschaften des neuen Weltwasserberichts der Vereinten Nationen, der am Montag in der senegalesischen Hauptstadt Dakar vorgestellt wurde.

Der Wasserverbrauch wird nach UN-Experten in den nächsten 30 Jahren voraussichtlich um etwa ein Prozent pro Jahr steigen. Dabei gilt als wahrscheinlich, dass die Abhängigkeit vom Grundwasser steigen wird, da die Verfügbarkeit von Oberflächenwasser aufgrund der Klimaerwärmung zunehmend eingeschränkt wird.

Ein großes Problem ist dabei laut dem Report, dass immer mehr Wasserressourcen durch menschliche Tätigkeit verschmutzt, übernutzt und ausgetrocknet werden.

Die Generaldirektorin der Unesco, Audrey Azoulay, fordert daher eine intelligentere Nutzung des Potenzials der noch wenig erschlossenen Grundwasservorkommen und deren Schutz vor Verschmutzung und Übernutzung. Dies sei unerlässlich, "um die Grundbedürfnisse einer ständig wachsenden Weltbevölkerung zu befriedigen und die globale Klima- und Energiekrise zu bewältigen", sagte Azoulay. Experten der Unesco haben den Report erarbeitet.

Die Nutzung der Ressource ist laut dem Report von Kontinent zu Kontinent sehr unterschiedlich ausgeprägt. In Asien wird Grundwasser am intensivsten genutzt, gerade für die Landwirtschaft. Problematisch sei hier die vielfach festzustellende Verschmutzung.

Keine Grundwassernutzung ist auch keine Lösung

Europa entnimmt im Schnitt vergleichsweise wenig Wasser aus dem Boden, und das vor allem für die Trinkwasser-Gewinnung. Allerdings ist auch hier die Verschmutzung hoch, besonders durch die Überdüngung intensiv bewirtschafteter Agrarflächen. Fast 40 Prozent der Grundwasserleiter sind belastet, vor allem mit Nitrat.

Kaum abgezapft wird die Ressource im Boden in vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara, obwohl dort, so die Experten, "riesige" Reserven vorhanden seien. Die sei vor allem auf fehlende Infrastrukturen und zu wenig ausgebildete Fachleute zurückzuführen, so die UN.

Dies zu ändern sei wichtig, da die Grundwassererschließung als Katalysator für die wirtschaftliche Entwicklung wirken könne. Vor allem die Landwirtschaft profitiere, wenn die bewässerten Flächen vergrößert und damit die landwirtschaftlichen Erträge und die Vielfalt der Kulturen verbessert werden.

Bisher sind in Afrika südlich der Sahara nur drei Prozent der Agrarflächen mit Bewässerungssystemen ausgerüstet – gegenüber 59 Prozent in Nordamerika und 57 Prozent in Südasien –, und nur auf fünf Prozent dieser Fläche wird Grundwasser genutzt.

Die Unesco-Experten betonen, dass die Wasserkrise ohne eine stärkere, aber ökologisch nachhaltige Nutzung des Grundwassers nicht lösbar sei – etwa im Hinblick auf die Anpassung an den Klimawandel.

So könne die Fähigkeit der Aquifere genutzt werden, saisonale Überschüsse beim Oberflächenwasser zu speichern, um die Verfügbarkeit von Süßwasser auch in Trockenphasen zu verbessern. Wasser aus Flüssen kann dazu mit entsprechenden Anlagen in tiefere Erdschichten versickert werden. Vorteil gegenüber oberirdischen Speicherseen: Die Verdunstung ist minimal.

Deutschland braucht Strategien zur Grundwasserneubildung

Auch in Deutschland, das eigentlich ein wasserreiches Land ist, gilt die Ressource Grundwasser als zunehmend gefährdet. So nahm die Grundwasser-Neubildung in den letzten Jahren deutlich ab, was Experten als eine Folge des Klimawandels sehen.

Dürre- und Hitzesommer wie 2015, 2018 und 2019 ließen die Wasserstände in den Böden spürbar absinken. Auch Starkregen-Ereignisse konnten dies nicht ausgleichen, da die Böden die großen Mengen kaum aufnehmen können. Grundwasser wird hierzulande für 62 Prozent der Wasserversorgung genutzt.

 

Der deutsche Wasserexperte Johannes Barth fordert Strategien zur Grundwasserneubildung. Dies sei durch eine geringere Flächenversiegelung möglich, aber auch durch eine künstliche Grundwasseranreicherung, etwa durch Infiltrationsbrunnen oder -becken, sagte er dem Evangelischen Pressedienst.

In Deutschland bestehe zwar kein akuter Wassermangel, doch in Zukunft werde es eventuell "nicht mehr möglich sein, im Sommer den Garten zu bewässern", meinte er. Barth ist Leiter des Lehrstuhls für Angewandte Geologie an der Universität Erlangen und Präsident der Deutschen Sektion der International Association of Hydrogeologists.

Gilbert Houngbo, Chef der UN-Unterorganisation UN-Water und des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung IFAD, sagte zur Vorstellung des neuen Reports: "Die Verbesserung der Nutzung und Bewirtschaftung von Grundwasser ist eine dringende Priorität, wenn wir die Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 erreichen wollen."

Der Zugang zu sauberem Wasser und zu sanitären Dienstleistungen gehört zu den 17 UN-Zielen im Katalog der Sustainable Development Goals (SDGs). Weltweit haben derzeit rund 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser.

Etwa 3,5 Milliarden haben keinen Zugang zu sicheren Sanitäranlagen, wobei 500 Millionen nicht einmal über einfachste Latrinen verfügen. Etwa die Hälfte Menschheit lebt in Regionen, die in mindestens einem Monat pro Jahr von starkem Wassermangel betroffen sind.

Der UN-Wasserbericht wird jährlich zum Weltwassertag am 22. März von der Unesco für UN-Water erarbeitet. Vorgestellt wurde die aktuelle Ausgabe zur Eröffnung des neunten Weltwasserforums in Dakar, das am Montag begann.

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