Eine erfreuliche Nachricht in den dunklen Zeiten: Chinas CO2-Emissionen sinken. Und das bereits seit März 2024, wie Carbon Brief, ein britisches Fachmedium, Anfang der Woche meldete.
Konkret sei der CO2-Ausstoß der Volksrepublik in der ersten Hälfte des Jahres 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa ein Prozent geschrumpft.
Doch jetzt gibt es Einspruch zu dieser Aussage. Denn laut dem neuen Bericht des internationalen Global Carbon Project, das mit dem Weltklimaforschungsprogramm WCRP kooperiert, sind die chinesischen CO2-Emissionen 2025 doch noch gestiegen. Sie lägen knapp ein halbes Prozent höher als 2024.
Wie kann das sein? Zunächst ist zu beachten, dass die Abweichung gering ist. Die beiden Prozentwerte liegen nicht besonders weit auseinander.
Außerdem haben die Forscher:innen im Global Carbon Report berücksichtigt, dass 2024 ein Schaltjahr war und somit etwas mehr Zeit blieb, um fossile Brennstoffe zu verbrennen. "Das macht bei so kleinen Zahlen dann schon einen Unterschied", sagt Mitautorin Judith Hauck vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.
Es gebe zudem eine Schätzunsicherheit. "Unsere Schätzungen liegen konkret zwischen minus 0,9 und plus zwei Prozent", so Hauck. Entsprechend seien stagnierende oder sogar sinkende CO2-Werte für China auch laut dem Global Carbon Report durchaus möglich.
"Zunehmend beunruhigend"
In der Europäischen Union entwickeln sich die CO2-Emissionen laut dem Bericht derweil ganz ähnlich wie in China: Gegenüber 2024 sind sie ebenfalls um knapp ein halbes Prozent angestiegen. Und auch hier ist es denkbar, dass sie in Wahrheit gleich geblieben oder sogar geschrumpft sind. Die Gründe sind vielfältig, beispielsweise hat der Solarausbau zugelegt.
Grund zum Feiern besteht trotzdem nicht. Denn in vielen Weltregionen haben sich die fossilen CO2-Emissionen deutlich erhöht.
So nahm in den USA der CO2-Ausstoß um fast zwei Prozent zu, in Indien waren es rund 1,5 Prozent. Und auch in allen restlichen Ländern zusammengerechnet wuchsen die CO2-Emissionen um mehr als ein Prozent.
Somit steigt der globale CO2-Ausstoß weiter. Insgesamt liegt er im Jahr 2025 bei knapp 38 Milliarden Tonnen und damit um 1,1 Prozent höher als im Vorjahr.
Bezogen auf die Quellen zeigen die Projektionen, dass die globalen Emissionen aus fossilen Rohstoffen – Kohle, Öl und Gas – in diesem Jahr nochmals ansteigen. In Europa sinken zwar die Emissionen aus der Kohleverbrennung, aber die Emissionen aus Öl und Gas steigen an.
Damit folgt der Anstieg dem Trend der letzten Jahre – auch 2024 nahmen die Emissionen zu. Ein Trend, der bereits seit über 50 Jahren anhält.
"Die positiven Geschichten, die wir erzählen, werden immer wieder von diesen anderweitigen Trends überschattet", kommentiert Jan Minx vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung den Bericht, an dem er selbst nicht beteiligt war. "Und es wird zunehmend beunruhigend, dass wir diese Trendwende als globale Gesellschaft einfach nicht hinbekommen."
Dekarbonisierung schreitet voran
So weit die schlechten Nachrichten, jetzt zu den guten: Die Dekarbonisierung der Energiesysteme schreitet trotzdem in vielen Ländern voran.
Denn die weltweiten CO2-Emissionen sind zwischen 2015 und 2024 wesentlich langsamer angestiegen als in den zehn Jahren davor. In dieser Dekade stiegen sie nur um durchschnittlich 0,3 Prozent pro Jahr, in den zehn Jahren davor waren es noch jährlich fast zwei Prozent.
Insgesamt ist es sogar 35 Ländern – darunter den USA und der EU – in den letzten zehn Jahren gelungen, ihren fossilen CO2-Ausstoß zu reduzieren, während ihre Volkswirtschaften wuchsen. In der Dekade davor waren es nur knapp halb so viele Länder.
"Und diese Länder liegen nicht mehr nur in Europa, wo die Klimavorreiterrolle traditionell gesehen wird", betont Umweltforscherin Hauck. "Jetzt sind Australien, Südkorea, Taiwan, Thailand, Jordanien hinzugekommen. Auch außerhalb Europas bewegt sich etwas."
Ein weiterer Grund zur Hoffnung sind die sinkenden Landnutzungsemissionen, also der CO2-Ausstoß, der durch die Trockenlegung von Mooren oder das Abbrennen von Wäldern entsteht.
Die Top-drei-Emittenten bei der Landnutzung sind diejenigen tropischen Regionen, die auf den jeweiligen Kontinenten einen großen Regenwaldanteil haben: Brasilien, Indonesien und Kongo. Zusammen verursachten diese drei Länder fast zwei Drittel der Landnutzungsemissionen des letzten Jahrzehnts.
Doch auch hier gibt es positive Nachrichten, denn besonders in Brasilien sieht man den Erfolg der umweltpolitischen Maßnahmen. Seit Präsident Lula da Silva 2023 erneut das Amt übernommen hat, haben sich die Entwaldungsraten halbiert, wie Julia Pongratz, Professorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, erklärt.
"Der Rückgang der Emissionen aus der Landnutzung zeigt, wie erfolgreich Umweltpolitik sein kann", sagt Landnutzungsexpertin Pongratz, ebenfalls Mitautorin des Berichts. "Die Entwaldungsraten im Amazonasgebiet sind zurückgegangen und befinden sich in dieser Saison auf dem niedrigsten Stand seit 2014."
Trendwende reicht nicht – nur die Netto-Null zählt
"Trotzdem muss man bitte im Kopf behalten: Nötig ist zwar erstmal die Trendwende, aber dann brauchen wir vor allem Netto-Null-Emission", mahnt Klimaforscherin Pongratz. "Und das ist dann auch noch mal ein ganz weiter Weg."
Denn bereits jetzt ist das verbleibende CO2-Budget, um die globale Erwärmung mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit auf 1,5 Grad zu begrenzen, praktisch aufgebraucht: Wenn das aktuelle Emissionsniveau gehalten wird, verbleiben nur noch vier Jahre, um das anzustrebende Erwärmungslimit aus dem Pariser Klimavertrag einzuhalten.
Um die Erwärmung bei zwei Grad zu stoppen – das Minimalziel von Paris und eigentlich schon zu riskant –, würde das CO2-Budget derzeit noch 25 Jahre reichen, auch dies nur mit einer 50-prozentigen Chance.
"Die internationalen Klimaziele werden zunehmend schwerer erreichbar", kommentiert Nachhaltigkeitsforscher Minx. "Wir dürfen nicht unterschätzen, dass wir jedes Jahr, in dem wir die Trendwende nicht schaffen, weniger Zeit haben und dass wir dann von einem höheren Sockel runtermüssen. Denn eins ist ja klar: Wo wir hinmüssen, das ändert sich nicht."
Korrektur am 14.11.2025: Im Artikel hieß es ursprünglich, der CO2-Ausstoß in Japan habe 2024 um rund zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Tatsächlich nahm er aber um circa zwei Prozent ab. Das haben wir im Text angepasst.
