Ein Monat weniger Schnee

Die weiße Saison in den Alpen ist im vergangenen halben Jahrhundert deutlich kürzer geworden – eine Folge des Klimawandels. Einzelne schneereiche Winter ändern nichts am allgemeinen Abwärtstrend. Die Folgen für den Wintersport sind einschneidend.


St. Moritz Schweiz
Der Schnee in den Alpen schwindet messbar. (Foto: Sonja Pieper/​Yashima/​Flickr)

Die Schneesaison in den Alpen hat sich in den letzten 50 Jahren deutlich verkürzt. Der Schnee liegt heute im Schnitt fast einen Monat weniger lang. Genauer: je nach Region um 22 bis 34 Tage.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forschungsinstituts Eurac Research in Bozen in Südtirol. Allerdings: Es kann durchaus auch noch einzelne schneereiche Winter geben.

Die Untersuchung ist die bisher umfassendste zu dem Thema. Bisherige Studien hätten sich auf einzelne Regionen oder Staaten bezogen und bestenfalls Daten von ein paar Hundert Messstationen genutzt, schreiben die Forscher.

Für die neue Langzeitstudie sind nun erstmals die Werte aller verfügbaren rund 2.000 Stationen in Italien, Österreich, Slowenien, Deutschland, der Schweiz und Frankreich in Lagen unterhalb 2.000 Metern gesammelt und nach einer einheitlichen Methode ausgewertet worden.

In höheren Lagen gibt es laut den Experten zu wenige Messtationen, um gesicherte Aussagen für den gesamten Alpenbogen zu treffen. Untersucht wurde der Zeitraum zwischen 1971 und 2019. 

Die Daten zeigen laut Eurac Research, dass der Schnee nicht überall in gleichem Ausmaß zurückgegangen ist. Im ohnehin schneeärmeren Süden der Alpen haben die Schneehöhen danach in den meisten Wintermonaten deutlich stärker abgenommen als im Norden. Die längerfristigen Veränderungen verliefen jedoch im gesamten Alpenraum ähnlich.

"Der Schnee schmilzt früher und schneller"

Die 1970er und 1980er Jahre waren laut der Studie allgemein schneereich, Ende der 1980er und Anfang der 1990er folgte eine schneearme Phase. Seither nahmen die Schneehöhen teils wieder zu, sie erreichten aber nicht mehr das Niveau der 1970er. Die mittlere Schneehöhe in den Monaten November bis Mai ging pro Jahrzehnt um durchschnittlich 8,4 Prozent zurück, die Dauer der Schneebedeckung um 5,6 Prozent.

Generell gilt: Der Boden ist im Winter später schneebedeckt und früher wieder schneefrei, wenn der Frühling naht. Dies sei eine Folge des Klimawandels, sagte Michael Matiu, Hauptautor und Biostatistiker am Institut für Erdbeobachtung von Eurac Research. "Wir haben die Zusammenhänge in dieser Studie nicht explizit untersucht, doch ist klar, dass der Schnee aufgrund höherer Temperaturen früher und schneller schmilzt und Niederschlag als Regen statt als Schnee fällt."

Praktisch überall gebe es weniger Schnee im Frühling, sagte Co-Autorin Alice Crespi. "Während im Winter je nach Lage und Höhe eine große Bandbreite an Veränderungen festzustellen ist, auch mit vereinzelten Zunahmen vor allem in höheren Lagen, verzeichneten im Frühling fast alle Messstationen Rückgänge." Erschienen ist die Studie in der Fachzeitschrift The Cryosphere.

Die Entwicklung in den Alpen spiegelt damit die Entwicklung auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde. Seit 1950 nehmen hier Schneefälle, das Ausmaß der Schneedecke und die Dauer der Schneesaison ab, wie der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Sonderbericht zu den Meeren und Eismassen feststellte. Pro Jahrzehnt wird die Schneesaison fünf Tage kürzer und die Schneedecke, gemessen in den Monaten März und April, um ein bis zwei Prozent kleiner.

Immer weniger schneesichere Skigebiete

Gleichzeitig gibt es bei den Wintern Ausreißer von der allgemeinen Tendenz. So war beispielsweise der Winter 2017/18 nach drei schneearmen Jahren besonders schneereich. In den Alpen war er oberhalb von 1.500 Metern sogar der schneereichste Winter seit drei Jahrzehnten, wie das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) feststellte. Unterhalb von 1.000 Metern allerdings fiel damals nur halb so viel von der weißen Pracht wie normalerweise.

Auch der jetzige Winter zählt übrigens zu den eher schneereichen. In den höheren Alpenlagen liegt ein Meter Schnee und mehr, und auch in vielen Alpentälern gibt es geschlossene Schneedecken. Wie lange das Weiß noch liegen bleiben wird, darüber kann man nur spekulieren. Auf den Winter 2017/18 etwa folgte ein extrem warmer April, in dem der Schnee dann schneller als gewöhnlich abschmolz.

Einschneidend sind jedenfalls die Folgen der schrumpfenden Schneesaison für den Wintersport. Eine vom Deutschen Alpenverein in Auftrag gegebene Studie ergab 2013, dass bei einem Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur um nur ein Grad im Vergleich zur mittleren Temperatur von 1970 bis 2000 nur noch ein Viertel der 46 alpinen Skigebiete in Bayern ohne künstliche Beschneiung schneesicher sein wird.

Auch mit Kunstschnee wären es nur noch drei Viertel.  Bei einer Erwärmung um zwei Grad – für 2100 nicht unrealistisch – gäbe es nur noch vier Skigebiete in den Bayerischen Alpen, die ohne Kunstschnee schneesicher sind: Zugspitze, Nebelhorn, Fellhorn und Grasgehren im Allgäu.

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