Die jüngsten Nachrichten über die Folgen der Wirbelstürme in der Karibik und auf den Philippinen wirken wie eine grausame Illustration für den neuen "Klima-Risiko-Index", den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Dienstag auf der UN-Klimakonferenz im brasilianischen Belém veröffentlicht hat.

Danach leben rund 40 Prozent aller Menschen weltweit – das sind mehr als drei Milliarden – in den elf Staaten, die in den vergangenen 30 Jahren am stärksten von Wetterextremen wie Hitzewellen, Stürmen und Überflutungen getroffen wurden. Besonders kritisch ist das zu sehen, da die Extreme nach Erkenntnissen der Klimaforschung wegen der Erderwärmung intensiver und in den meisten Fällen auch häufiger auftreten.

 

Der Index verzeichnet von 1995 bis 2024 insgesamt rund 9.700 Wetterextreme mit mehr als 830.000 Todesopfern und inflationsbereinigt über 4,5 Billionen US-Dollar an direkten Schäden. Zu den besonders betroffenen elf Ländern gehören auch Indien und China, in denen jeweils mehr als eine Milliarde Menschen leben, aber keines der klassischen Industrieländer.

Das Risikoprofil ist dabei unterschiedlich. Einige in der Negativ-Rangliste weit oben stehende Staaten leiden vor allem unter einzelnen, aber extrem verheerenden Unwettern, andere werden regelmäßig von Extremwetter heimgesucht.

"Bei Wetterextremen stellen Hitzewellen und Stürme die größte Gefahr für Menschenleben dar", sagte Index-Koautorin Laura Schäfer von Germanwatch. "Stürme verursachten zugleich die mit Abstand größten Sachschäden. Überflutungen hingegen waren für die meisten direkt von Extremwetter Betroffenen – zum Beispiel durch Verlust ihres Eigentums – verantwortlich."

Ohne Klimafinanzierung in auswegloser Lage

Wie stark besonders arme Staaten gefährdet sind, zeigt der kleine karibische Inselstaat Dominica, der mehrfach von Wirbelstürmen heimgesucht wurde. Er steht in der 30-Jahres-Bilanz mit Abstand an der Spitze des Index, da die Hurrikans enorme Schäden im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt verursachten.

So betrugen dort die Schäden durch den Hurrikan Maria im Jahr 2017 rund 1,8 Milliarden US-Dollar, fast das Dreifache des BIP. "Diese Bilanz unterstreicht den wissenschaftlich bestätigten Trend, dass tropische Wirbelstürme in einer heißeren Welt stärker und gefährlicher werden", erläuterte Germanwatch-Expertin Lina Adil.

Wirbelstürme und Hochwasser sind für die Philippinen nichts Neues. "Fung-Wong", der hier "Uwan" genannt wird, war aber schon der zweite heftige Taifun innerhalb einer Woche. (Bild: Cherish Gonzales/​Shutterstock)

Ein weiteres Beispiel dafür ist Myanmar auf Rang zwei. Der Zyklon Nargis tötete dort 2008 fast 140.000 Menschen und richtete Schäden in Höhe von 5,8 Milliarden US-Dollar an. Die verheerendsten Auswirkungen infolge des Wirbelsturms hatten die massiven Regenfälle und daraus resultierende Überflutungen.

Tatsächlich haben wissenschaftliche Studien der sogenannten Attributionsforschung gezeigt, dass der Klimawandel die Intensität der Wirbelstürme steigert – durch höhere Windstärken und größere Regenmengen. Inzwischen wird sogar diskutiert, eine neue Wirbelsturm-Kategorie zusätzlich zu den üblichen fünf einzuführen, eine Kategorie sechs. 

Germanwatch weist auf die besonderen Herausforderungen hin, vor denen Länder wie Haiti, die Philippinen oder Indien stehen – allesamt in den Top Ten. Sie würden teilweise in so kurzen Abständen von Überflutungen, Hitzewellen oder Stürmen heimgesucht, dass sich ganze Regionen kaum noch von den Katastrophen erholen können.

"Wenn die Klimakonferenz über mehr Gelder zur Bewältigung von Verlusten und Schäden verhandelt, dann stehen solche Länder im Fokus", erläuterte Index-Mitautorin Vera Künzel. Sie würden ohne mehr und langfristige Hilfe – auch für bessere Anpassung an die Klimakrise – vor unlösbare Probleme gestellt.

Hitzewellen auch in Deutschland zunehmend gefährlich

Für die Industrieländer, von denen keines zu den Hochrisikoländern im Index zählt, bedeutet das laut den Daten aber keine wirkliche Entwarnung. Denn auch EU-Staaten und Industrieländer wie Frankreich (Rang 12), Italien (16), USA (18) oder selbst Deutschland (29) landen im oberen Bereich der am stärksten von Extremwetter betroffenen Länder.

Hierzulande sind zunehmende Hitzewellen die größte Wettergefahr. Dabei spielt die Zahl der Todesopfer neben den Sachschäden eine Hauptrolle für die hohe Platzierung. Insgesamt kamen in Deutschland seit 1995 über 24.400 Menschen durch Wetterextreme ums Leben.

Fast 1,1 Millionen Bundesbürger waren in den 30 Jahren direkt betroffen, zum Beispiel durch Gesundheitsschäden oder Verlust ihres Eigentums. Die gesamten Schäden belaufen sich hier inflationsbereinigt auf rund 112 Milliarden Euro. 

David Eckstein, weiterer Koautor des Index, sagte dazu: "In der Öffentlichkeit wird bisher unzureichend wahrgenommen, wie viele Todesopfer massive Hitzewellen oft fordern. Hierzulande hatten wir vor allem in den Sommern 2003, 2022 und 2023 insgesamt fast 24.000 Todesopfer aufgrund der Hitze zu verzeichnen."

Diese sogenannte Übersterblichkeit sei auch in den anderen europäischen Ländern zu sehen, die im Index weiter oben stehen. Viele Todesopfer forderte zudem die Flutkatastrophe an Ahr und Erft im Westen Deutschlands 2021.

Allein die versicherten Schäden sind enorm

Bei der Einzelauswertung des Risiko-Index für das vergangene Jahr stehen zwei karibische Inselstaaten auf den Plätzen eins und zwei: St. Vincent und die Grenadinen sowie Grenada wurden im Sommer 2024 von einem Hurrikan der höchsten Kategorie verwüstet.

Auf Rang drei folgt der Tschad, der von verheerenden und teils über Monate anhaltenden Überflutungen getroffen wurde. Deutschland landet im Index für 2024 auf Rang 50, war also weniger stark als im langjährigen Mittel betroffen.

 

Hohe Schäden durch weltweite Naturkatastrophen meldete der deutsche Rückversicherer Munich Re für 2024. Sie betrugen 320 Milliarden US-Dollar, nach 268 Milliarden im Vorjahr. Es war das fünfthöchste Ergebnis seit 1980.

Wetter- und Klimakatastrophen machten dabei rund 93 Prozent der Gesamtschäden aus, besonders gravierend waren Tropenzyklone mit Verlusten von 135 Milliarden Dollar. Allein in den USA, für deren Präsident es keinen Klimawandel gibt, betrugen die Schäden 105 Milliarden Dollar.

Auch diese Zahlen untermauern: Der Schutz- und Anpassungsbedarf ist weltweit hoch.