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Die Stunde des Spatzen

Über den trockenen, heißen Sommer des vergangenen Jahres klagten die Landwirte, die Förster und auch viele Stadtbewohner. Der Spatz jedoch dürfte sich gefreut haben.


Ein weiblicher Spatz sitzt auf dem Straßenpflaster
Der Haussperling hat von der Hitze und Trockenheit im vergangenen Jahr profitiert. (Foto: Lucas Weitzendorf/​Wikimedia Commons)

Der letzte Sommer hatte es in sich. Trocken wie nie war er – und einer der wärmsten. Die Bauern jammerten, die Förster ebenso, und auch manchem Normalo war es zu viel des Guten. Einer hätte nichts kritisiert, wenn er denn dazu in der Lage gewesen wäre: der Sperling.

Sowohl dem Haussperling als auch dem Feldsperling hat der Rekordsommer gutgetan, weil weder Kälte noch Nässe dem Nachwuchs zusetzten. Das legt die jüngste Zählaktion des Naturschutzbundes (Nabu) nahe. Plus sechs Prozent respektive plus sieben Prozent haben Vogelfreunde in der "Stunde der Gartenvögel" festgestellt.

Kein Wunder, dass sich die Naturschützer über die positive Entwicklung der beiden Sperlingsarten freuen. In den Jahrzehnten vor dem Start der jährlichen Nabu-Zählaktion im Jahr 2006 hatten starke Rückgänge nämlich dafür gesorgt, dass Haus- und Feldsperling wegen zurückgehender Bestände in die Vorwarnkategorie der Roten Liste deutscher Brutvogelarten aufgenommen werden mussten. "Davon können sich die Spatzen heute offensichtlich etwas erholen", so der Verband.

Anders als beim Spatz, der sich vorwiegend von Getreidesamen und Körnern ernährt, sieht es bei den Insektenfressern unter den Vögeln aus – zum Beispiel beim Mauersegler und der Mehlschwalbe. Die Zahlen für diese beiden Arten seien "katastrophal", heißt es beim Nabu.

Die aktuellen Ergebnisse fügen sich in die Reihe abnehmender Zahlen aus den Vorjahren ein – egal ob kaltes oder warmes Maiwetter herrschte. Als Ursache macht der Verband das Verschwinden von Brutnischen an Gebäuden, aber auch den Rückgang bei der Fluginsekten-Nahrung aus.

Doch auch beim "Sorgenkind" Amsel zeigte sich erneut ein starker Rückgang – mit bundesweit minus elf Prozent. In Hamburg und Bremen, wo die tödliche Amsel-Viruskrankheit Usutu 2018 erstmals auftrat, waren es sogar über 40 Prozent.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Erfreulich jenseits dieser Befunde ist, dass die Nabu-Aktion, die bis 20. Mai lief, auf einen neuen Teilnehmerrekord zusteuert. Bereits 60.000 Vogelfreunde haben sich diesmal bei Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmach-Aktion mit Zählungen aus über 41.000 Gärten und Parks beteiligt, was es ermöglichte, nun bereits ein Zwischenergebnis zu ziehen. Dass sich an den Befunden noch viel ändert, ist unwahrscheinlich. Doch je größer die Datenbasis, desto besser.

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