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Der 1,5-Grad-Schock

Das 1,5-Grad-Limit aus dem Pariser Klimavertrag wird in den nächsten Jahren gerissen. Das ist ein Schock, aber keine wirkliche Überraschung. Wenn der Umstieg auf erneuerbare Energien weiter auf sich warten lässt, wird auch das Zwei-Grad-Ziel dran glauben müssen.


Zylinderförmiger, hellblau-weißer Gastank von der Größe eines mehrstöckigen Hauses in der Dämmerung, unten die Aufschrift National Grid, davor ein Gewässer, in dem sich der Tank spiegelt.
Speicher für gefracktes Flüssigerdgas in den USA: Das Umsteuern findet nicht statt, die Erde wird weiter aufgeheizt. (Foto: Matt Fletcher/​Wikimedia Commons)

Die Erde soll sich "nur" um 1,5 Grad erwärmen. Dieses Ziel bekräftigen Politik und Wirtschaft immer wieder gerne. In Sonntagsreden zum Klimaschutz. Tatsächlich wird, und zwar weltweit, bei Weitem nicht genug getan, um es einzuhalten.

Insofern ist es zwar ein Schock, aber keine wirkliche Überraschung, dass die "1,5" bereits in einem der nächsten Jahre erstmals überschritten werden dürfte. Das hat die Weltmeteorologie­organisation WMO am heutigen Dienstag aufgrund einer neuen Studie so vorausgesagt. Das letzte Rekordjahr war 2016, mit 1,2 Grad Plus gegenüber vorindustrieller Zeit.

Man muss wissen: Das 1,5-Grad-Limit wird dann noch nicht dauerhaft überschritten sein. Die Temperatur wird zeitweise wieder absinken.

Doch der Trend ist eindeutig. Dass eine langfristige Überschreitung der 1,5 Grad tatsächlich noch verhindert werden kann, glaubt niemand mehr. Selbst die optimistischsten wissenschaftlichen Szenarien gehen davon aus, dass die Schwelle zeitweise überschritten wird und die Temperatur später durch CO2-Entnahme aus der Atmosphäre wieder unter diese Schwelle abgesenkt werden muss.

Realistisch betrachtet, werden wir und unsere Kinder und Enkelkinder froh sein können, wenn wenigstens das obere Limit aus dem Pariser Klimavertrag nicht überschritten wird – das Zwei-Grad-Ziel. Die bisherigen CO2-Pläne der Regierungen müssen dafür noch deutlich nachgeschärft werden. Und vor allem auch umgesetzt.

Bisher ist der notwendige Kurswechsel nicht in Sicht. Die globalen Emissionen sanken zuletzt nur wegen der Corona-Lockdowns einmal spürbar. Nun, da die Restriktionen vielerorts aufgehoben sind, wird wieder eingeheizt, als gebe es kein Morgen. Die Corona-Konjunkturspritzen stabilisierten die klimaschädliche Wirtschaft, statt ihren Umbau zu beschleunigen.

Welche Folgen Putins Ukraine-Krieg auf den globalen Klimaschutz hat, ist derweil noch offen. Zu hoffen ist, dass die Reaktionen weitsichtig sind. Also: dass die Staaten den Umstieg auf erneuerbare Energien radikal beschleunigen, statt das fossile Zeitalter durch Investitionen in überholte Technologien zu verlängern. Sonst wird auch das Zwei-Grad-Limit Makulatur.

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