Champion für die Umwelt

Die Ozonschicht erholt sich, wenn auch langsam. Ein neuer UN-Report zeigt, dass das Montreal-Protokoll von 1987 erfolgreich war – und dass dadurch auch die Erderwärmung gebremst wird. Die Forscher:innen warnen zugleich vor solarem Geoengineering.


Das Ozonloch über der südlichen Hemisphäre.
Das Ozonloch über der Antarktis bei seiner bisher zweitgrößten Ausdehnung am 6. September 2000. Die größte erreichte es am 24. September 2006. (Bild: NASA)

Der Schock kam im Jahr 1985: Wissenschaftler:innen stellten fest, dass sich über dem Südpol erstmals ein regelrechtes "Loch" in der Ozonschicht auftat. Der lebenswichtige Schutzschild in der Erdatmosphäre, der die gefährliche UV-Strahlung aus dem Weltall ausfiltert, war dort praktisch verschwunden – und schien auch global gefährdet.

Jetzt hat ein UN-Gremium eine positive Bilanz gezogen: Die Maßnahmen zum Schutz der Ozonschicht wirken, und sie nützen auch dem Klima.

Bis der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt ist, werden allerdings noch Jahrzehnte vergehen. Nach den aktuellen Projektionen dürfte die Ozonschicht sich über der Antarktis erst bis etwa 2066, über der Arktis bis 2045 und über dem Rest der Welt bis 2040 wieder auf den Stand von 1980 erholen.

Entwarnung geben die Forscher:innen bezüglich der Schwankungen in der Größe des Ozonlochs am Südpol, die zwischen 2019 und 2021 festgestellt wurden. Dabei vergrößerte es sich allmählich in Fläche und Tiefe. Diese Entwicklung seien aber "weitgehend auf die meteorologischen Bedingungen zurückzuführen", so das Forschungsteam.

Die Politik hatte nach dem Schock von 1985 schnell gehandelt: Schon zwei Jahre später, am 16. September 1987, wurde das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht beschlossen. Ozonkiller wie die FCKW wurden sofort verboten und die Verbotsliste später erweitert.

Der von den Vereinten Nationen unterstützte wissenschaftliche Bewertungsausschuss des Protokolls, der alle vier Jahre einen Bericht veröffentlicht, stellt in seinem aktuellen Report nun fest, dass fast 99 Prozent der verbotenen Stoffe auch tatsächlich aus dem Verkehr gezogen wurden.

Der internationale Vertrag habe dadurch bereits zu einer bemerkenswerten Erholung der Ozonschicht und damit zu einer geringeren Exposition der Menschen gegenüber schädlichen UV-Strahlen der Sonne geführt.

Megumi Seki vom UN-Umweltprogramm Unep in Nairobi kommentierte: "Dass die Erholung der Ozonschicht auf dem richtigen Weg ist, ist eine fantastische Nachricht." In den vergangenen 35 Jahren habe sich das Protokoll zu einem "wahren Champion für die Umwelt" entwickelt, sagte die Leiterin des Ozon-Sekretariats beim Unep.

Erfolgreicher Kampf gegen Ozonloch als Vorbild für Klimaschutz

Aber auch die positiven Folgen für die Eindämmung des Klimawandels könnten gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Der jetzt vorgelegte Report belegt diese Aussage. Verwiesen wird darin auf ein zusätzliches Abkommen aus dem Jahr 2016, die sogenannte Kigali-Ergänzung zum Montreal-Protokoll, die die schrittweise Einstellung der Produktion und des Verbrauchs einiger teilhalogenierter Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW) verlangt.

Gefahr aus dem Kühlschrank

Die Erholung der Ozonschicht, die 1987 mit dem Montreal-Protokoll eingeleitet wurde, verläuft langsam. Der Grund: Die Ozonkiller-Substanzen wie FCKW, die früher zum Beispiel als Kältemittel in Kühlschränken eingesetzt wurden, werden in der Atmosphäre nur langsam angebaut. Der "Ozon-Tiefpunkt" war zwar im vergangenen Jahrzehnt erreicht. Doch das sich alljährlich im kalten südpolaren Winter bildende Ozonloch, das zeitweise 25 Millionen Quadratkilometer umfasste, so viel wie ganz Nordamerika, dürfte sich erst bis Mitte der 2060er Jahre wieder komplett schließen.

 
Eine Ursache der Verzögerung könnte der Klimawandel sein. Er führt paradoxerweise dazu, dass die Luft in der Stratosphäre – wo die Ozonkiller wirken – kälter wird. Das macht Substanzen wie die FCKW aggressiver, der Ozonabbau verstärkt sich.

 
Im Jahr 2011 trat erstmals auch über dem Nordpol ein riesiges "Loch" auf. Diese Entwicklung birgt auch Risiken für die Menschen in Nord- und Mitteleuropa. Im Frühjahr können so ozonarme arktische Luftmassen auch nach Deutschland gelangen.

HFKW führen nicht direkt zum Abbau von Ozon, sind aber starke Treibhausgase. Dem Bewertungsgremium zufolge wird dies schätzungsweise eine globale Erwärmung um 0,3 bis 0,5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 verhindern, die zusätzlich zur Aufheizung durch die anderen Klimagase wie CO2, Methan und Lachgas entstanden wäre.

Der Generalsekretär der Weltmeteorologieorganisation WMO, Petteri Taalas, forderte denn auch, die Ozonkiller-Eindämmung als Vorbild zu nehmen. Sie sei ein "Präzedenzfall für Klimaschutz-Maßnahmen".

"Unser Erfolg bei der schrittweisen Abschaffung ozonschädigender Chemikalien zeigt uns, was getan werden kann und muss – und zwar dringend –, um von fossilen Brennstoffen wegzukommen, Treibhausgase zu reduzieren und so den Temperaturanstieg zu begrenzen", sagte er.

Eine Warnung sprach das Bewertungsgremium in Bezug auf Geoengineering-Maßnahmen aus, mit denen versucht werden könnte, die Erderwärmung durch Injektion von Schwefelverbindungen in die Atmosphäre – etwa per Flugzeug – zu senken. Das würde das Sonnenlicht durch verstärke Reflexion zurück ins Weltall verringern, wie das auch nach Vulkanausbrüchen beobachtet wurde.

Einer der ersten, der diese Idee skizzierte, war der inzwischen verstorbene Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen, viele Jahre lang Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz. Crutzen veröffentlichte 2006 dazu einen Fachartikel, der heftige Diskussionen auslöste.

Bis heute wird an dieser Idee geforscht, obwohl sie mit großen Risiken verbunden ist. In dem neuen Report werden diese unterstrichen. Es drohten negative Folgen für die Ozonschicht, warnen die Expert:innen, so könnten sowohl die Temperaturen in der Stratosphäre als auch die Ozonproduktions- und -zerstörungsraten beeinflusst werden.

Der aktuelle Report wurde von einer großen internationalen Expert:innengruppe zusammengestellt, an der neben WMO und Unep auch die US-Wetterbehörde NOAA, die Nasa und Stellen der EU beteiligt waren.

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