"Weg von der Holzplantage"

Zur Vorbereitung auf den "Waldgipfel" im September hatte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner heute viele Verbände zu sich ins Ministerium eingeladen. Deren Forderungen lassen schon jetzt die Konfliktlinien erkennen – laut Verbändevertretern gab es aber auch viel Übereinstimmung.


Kiefernforst
Reine Kiefernforste sind nicht an den Klimawandel angepasst. (Foto: Friederike Meier)
 

Die Uneinigkeit ging aus Sicht von Heinz Kowalski schon bei den Fragen los, die diskutiert wurden: "Die erste Frage war: 'Wie bekommen wir das Schadholz aus dem Wald?'", berichtet der waldpolitische Sprecher des Umweltverbands Nabu von dem Treffen bei Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). "Unser Ansatz wäre, es liegenzulassen", so Kowalski gegenüber Klimareporter°.

Angesichts der Auswirkungen der Dürre auf den Wald und der nötigen Anpassung an den Klimawandel hat Klöckner für den 25. September einen "Nationalen Waldgipfel" anberaumt. Dort soll festgelegt werden, wie der Wald an den Klimawandel angepasst werden kann.

Zu dem heutigen Treffen im Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin waren Vertreter der Waldbesitzer, der Forstwirtschaft, des Naturschutzes, der Waldjugend, der Holzverarbeitung, des Städte- und Gemeindebundes sowie der Jagdverbände zusammengekommen. Ihre Forderungen wurden gesammelt und sollen nun in den Waldgipfel einfließen.

Eine Konfliktlinie dürfte dort die Frage werden, ob für den Waldumbau auf dürre- und waldbrandgeschädigten Flächen neue Bäume gepflanzt werden sollen oder ob man sich auf den natürlichen Waldwuchs verlassen will. Der Nabu plädiert für eine "natürliche Waldentwicklung", stellt Kowalski klar. "Frau Klöckner kann Geld sparen, wenn sie sich für einen natürlichen Aufwuchs statt Aufforstung entscheidet", so der Nabu-Experte.

Hans-Georg von der Marwitz, Präsident des Waldeigentümer-Verbandes AGDW, zeigt sich optimistisch, dass die Bundesregierung die Rettung der Wälder unterstützen wird. Der Verband fordert vor allem schnelle Hilfen für die Beseitigung der Schäden und langfristige Unterstützung für die Wiederbewaldung und den Waldumbau.

"Auch stoßen wir auf offene Ohren, etwa wenn es darum geht, die Wälder mittels klimatoleranter Baumarten an den Klimawandel anzupassen", sagt von der Marwitz. Die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Verbände müsse das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt unter einen Hut bringen.

"Wir setzen uns jedoch dafür ein, dass der Waldumbau nach pragmatischen Kriterien erfolgt", so von der Marwitz. Es gebe eine Offenheit für die Anpflanzung vielfältiger Baumarten, die künftigen Wetterextremen standhalten. Verbände wie der Nabu fordern, dass Neupflanzungen, sollten sie nötig sein, sich auf europäische Baumarten beschränken.

"In vielen Punkten Übereinstimmung"

Ulrich Dohle, Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF), ist nach dem Treffen optimistisch. Bei vielen Themen habe es große Übereinstimmung unter den Verbänden gegeben, so Dohle. So zum Beispiel bei der Forderung nach mehr Forstpersonal oder nach waldfreundlicher Jagd, die Anpflanzungen oder Naturverjüngung ohne Zäune erst möglich macht.

In der Frage, wie der Wald umgebaut werden soll, plädiere der BDF für einen "Mittelweg", bei dem Naturverjüngung wo nötig durch Anpflanzungen ergänzt wird. Zum Beispiel sei dies dort nötig, wo zuvor Fichten-Monokulturen vorgeherrscht haben.

Aber auch bei diesem Thema habe es "Tendenzen zur Kompromisslinie" gegeben, so Dohle. Insgesamt ist er "voller Hoffnung", was den Waldgipfel angeht. "Allen Beteiligten war klar, dass der Klimawandel voranschreitet und dass es eine Daueraufgabe ist, die Wälder daran anzupassen."

Das Landwirtschaftsministerium werde die verschiedenen Vorschläge und Wünsche in den nächsten Tagen ausführlich bewerten, teilte eine Sprecherin Klimareporter° mit. Zu den Erkenntnissen des heutigen Tages habe gehört, dass der Weg "weg von der Holzplantage" fortgesetzt werden müsse. Natürliche Verjüngung der Wälder und Pflanzung müssten sich sinnvoll ergänzen. Außerdem müsse das Verhältnis von Wald und Wild in die Waldstrategie aufgenommen werden.

Fördermittel müssten unbürokratisch fließen, sowohl für die Beseitigung des Schadholzes als auch für die Wiederaufforstung, so die Sprecherin. Unabhängig davon, wie die Hilfsmaßnahmen konkret ausgestaltet würden, werde das Geld nicht direkt an die Waldbesitzer ausgeschüttet, sondern über die sogenannte "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes", kurz GAK. Dieses Förderinstrument finanzieren Bund und Länder zu 60 beziehungsweise 40 Prozent.

Das Ministerium hat seiner Sprecherin zufolge mehr als eine halbe Milliarde Euro Fördermittel aus dem Topf des Klimafonds angemeldet, über den bei der Sitzung des Klimakabinetts am 20. September entschieden werden soll.

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