Wasser wird nicht knapp. Oder doch?

Die Wasserversorger loben sich selbst: Man habe "die Dürreperiode der vergangenen Monate sehr gut gemeistert". Doch sie fordern mehr Investitionen in Leitungsbau und eine wasserfreundliche Landwirtschaft.


Mann kühlt Auto mit Wasser
Hitzetag in Berlin, um 1930: Die Wassernutzung muss effizienter werden, mahnen heutige Versorger. (Foto: Scherl/​Bundesarchiv)

Der Jahrhundertsommer hat es in sich: vertrocknete Felder, Bäume, die bereits Mitte August ihre Blätter abwarfen, Flüsse mit Rekord-Niedrigwasser. Für eine positive Überraschung angesichts der Trockenheit, die in einigen Regionen monatelang anhielt, sorgten die Wasserversorger. Das kühle Nass floss trotz Verbrauchsspitzen fast überall wie gewohnt aus dem Hahn.

Also alles im grünen Bereich? Nein. Die Branche mahnt, es müsse in den Kommunen und in der Landwirtschaft mehr Vorsorge für die Folgen des Klimawandels getroffen werden – um für künftige Dürreperioden gewappnet zu sein, aber auch für andere sich verstärkende Extremwetter-Ereignisse, Starkregen zum Beispiel.

Wassersperrungen gab es nirgends, allerdings hier und da Aufforderungen, sparsam mit der Ressource umzugehen. So erließ etwa der Wasserverband Südharz im Juli ein Verbot, Gärten sowie Spiel- und Sportplätze zu bewässern. Hauptgrund für die allgemein entspannte Lage war, dass die Grundwasserstände aufgrund der regenreichen Winter- und Frühjahrsmonate hoch lagen, sodass der hohe Absatz verkraftet werden konnte.

Der Branchenverband BDEW jedenfalls erteilte sich am Montag zum Beginn der diesjährigen Weltwasserwoche ein Selbstlob, und das nicht zu Unrecht. "Die Wasserwirtschaft hat die Dürreperiode der vergangenen Monate sehr gut gemeistert", sagte der zuständige Hauptgeschäftsführer Martin Weyand in Berlin. Allerdings erwartet der BDEW, dass anhaltende Hitzeperioden wie in diesem Sommer künftig die Nachfrage nach Wasser steigen lassen und damit das Leitungssystem an Spitzentagen zusätzlich belasten werden.

Der Verband fordert daher die Bundesländer auf, die Wasser-Infrastruktur auf Engpässe zu prüfen. Dort, wo zur Sicherung der Versorgung neue Brunnen oder Leitungen gebaut werden müssen, etwa zur Anbindung an ein Wasser-Verbundsystem, brauche es Investitionshilfen. Die Regierungen sollten das auf Agenda setzen.

Landwirtschaft soll umsteuern

Doch die Branche sorgt sich zu Recht auch darum, dass das Wasser langfristig in bestimmten Regionen doch knapp werden könnte – und nimmt dabei besonders die Landwirtschaft ins Visier. Eine Übernutzung der Grundwasser-Ressourcen müsse verhindert, die Belastung durch Nitrat aus Kunstdünger und Gülle zurückgefahren werden, fordert der Verband. "Die öffentliche Trinkwasserversorgung der Bevölkerung muss Vorrang haben."

Als Negativ-Beispiel gilt hier Südspanien, wo für den Agrarsektor so viel Wasser abgepumpt wird, dass die Grundwasserspiegel sinken und im Sommer Bäche und Flüsse austrocknen. Um so etwas hierzulande zu verhindern, empfiehlt der BDEW "eine ökologisch verträglichere Landwirtschaft, die robuster gegen Hitze ist": andere Sorten, andere Fruchtfolgen, weniger wasserintensive Pflanzen. Zudem sollten die Bauern ihre Kulturen effizienter bewässern – statt mit Beregnungsanlagen zum Beispiel mit der Technik der Tröpfchenbewässerung.

Das Bewusstsein, wie wichtig die Anpassung an Trockenheit und Hitze ist, dürfte mit diesem Sommer gewachsen sein. Ein Rückblick ins Jahr 2016 mit seiner Serie von Starkregenfällen macht indes klar, dass auch für das Gegenteil mehr Vorsorge getroffen werden muss – etwa mit neuen Regenrückhaltebecken, mehr Versickerungsflächen und Dachbegrünung. Beides ist eine Aufgabe für Generationen.

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