Kein Klima für Raucher

Unter den Risiken, die das Rauchen mit sich bringt, gehören die Klimafolgen sicher zu den geringsten. Dennoch haben sich Londoner Forscher jetzt der Sache angenommen und Interessantes zutage gefördert.


Weggeworfene Zigarettenkippen zwischen Kieselsteinen.
Zigarettenkippen sind giftig – vorher wird auch noch das Klima belastet. (Foto: 4028mdk09/​Wikimedia Commons)

Der Tabakkonsum fordert in Deutschland über 120.000 Tote pro Jahr, weltweit sind es sieben Millionen – die allermeisten natürlich unter den Rauchern selbst. Aber auch ihre Mitmenschen, die den Rauch einatmen müssen, gefährden ungewollt ihre Gesundheit.

Das ist alles lang bekannt, und wer eine Zigarettenschachtel anschaut, bekommt die negativen Folgen des Qualmens auf den Schockfotos ja auch plastisch genug vorgeführt. Lungenkrebs, Herzanfälle, Impotenz und so weiter. Dagegen fällt das Klima-Risiko des Rauchens nun wirklich nicht ins Gewicht – zumindest für den Einzelnen, den's erwischt.

Dennoch haben Wissenschaftler die Klimafolgen des Qualmens jetzt einmal untersucht. Rund 500 Fabriken weltweit stellen pro Jahr rund sechs Billionen Zigaretten her, wofür sie 32,4 Millionen Tonnen grüne Tabakblätter verbrauchen. Werden die angezündet, geben sie innerhalb der berühmten "Zigarettenlänge" insgesamt 84 Millionen Tonnen Kohlendioxid ab, haben die Forscher vom Imperial College London ausgerechnet.

Wobei in die Rechnung nicht nur das Kohlendioxid einfließt, das direkt beim Verbrennen entsteht. Mitgerechnet sind auch die Emissionen bei der Herstellung der Zigaretten. Ein wichtiger Posten dabei ist das Trocknen der Tabakblätter, für das große Mengen Kohle oder Holz verbrannt werden.

Was würde es bringen?

Würden alle Raucher schlagartig von ihrem Laster lassen, wäre das Klima nicht gerettet. Muss man zugeben. Der CO2-Ausstoß der Zigaretten macht laut den Londoner Forschern nur 0,2 Prozent der globalen Gesamtemissionen aus; pro Zigarette sind es 14 Gramm CO2.

Wobei das natürlich ein beliebtes Argumentationsmuster ist, um selbst nichts tun zu müssen. Motto: Was würde es schon bringen, wenn ich als einziger Aufrechter die Bahn statt des Fliegers nehme, weniger Auto fahre, auf Grillsteaks verzichte, die Heizung ein bisschen herunterdrehe? Nur dass es beim Rauchen auch dann nicht viel brächte, wenn es alle (nicht mehr) täten.

Umso mehr könnten die anderen Fakten aus der Studie die Raucher zum Umdenken bringen, wenn die Angst vor Krebs et cetera sie schon nicht sehr beeindruckt. Dies zum Beispiel: Für eine Zigarette werden beim Tabakanbau und in der Produktion 3,7 Liter Wasser verbraucht.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Auf den Feldern werden jede Menge Pestizide versprüht, und am Ende landen jedes Jahr bis zu 680.000 Tonnen an Tabakprodukten in der Umwelt. Weggeworfene Kippen setzen übrigens nicht nur Nikotin, sondern auch Arsen und andere Schwermetalle frei.

Auf der anderen Seite haben Raucher auch ein Interesse am Klimaschutz, weil sich in den Anbauregionen für Tabak die Klima-Anomalien häufen. Aus welchen Motiven man dem Klima hilft, ist diesem am Ende recht egal.

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