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HYDROGEN DIALOGUE 2021

"Erst Mensch und Tier, dann der Golfplatz"

Der kommunale Spitzenverband VKU will Städte und Gemeinden klimarobuster machen. Zudem erwartet der Verband, dass die Kommunen im Dialog mit der Lokalwirtschaft Strategien für einen schonenderen Umgang mit Wasser entwickeln. 


Rasen wird aus einer Leitung beregnet.
Die öffentliche Wasserversorgung ist wichtiger als der private Rasen. (Foto: Daniel Borker/​Pixabay)

Der dritte Dürresommer in Serie hat den deutschen Wasserversorgern zugesetzt. Der Klimawandel macht sich mehr und mehr bemerkbar. Nun will der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) gegensteuern und legte heute einen Sieben-Punkte-Plan vor, um besonders die Wasserwirtschaft für den Klimawandel zu rüsten.

Drei trockene Sommer in Folge haben selbst dem mit Wasser gut versorgten Ruhrgebiet zugesetzt, berichtete Uli Paetzel, Vorstandschef des Wasserwerksverbundes Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV), heute in Berlin bei der Vorstellung des Plans. "Die Talsperren an der Ruhr waren dieses Jahr auf Rekordtief."

Aber nicht nur Dürre, auch Starkregen samt Überflutungen gehören für den kommunalen Spitzenverband zu den Klimaextremen der Zukunft. Denn die Herausforderungen des Klimawandels unterscheiden sich regional, wie VKU-Chef Ingbert Liebing erläuterte.

An der Küste etwa sorge der steigende Meeresspiegel dafür, dass immer mehr Salzwasser ins Grundwasser schwappt. In nordostdeutschen Regionen und in Franken nage die Dürre an den Wasserreservoirs.

Wichtig sei dabei, betonte Liebing mehrfach, statt aufwendiger Nachsorge im Klärwerk das Trinkwasser von vornherein sauber zu halten. Der VKU schlägt dazu Anreize etwa für Pharma-Unternehmen vor, damit diese auf den Einsatz schwer herauszufilternder Inhaltsstoffe verzichten.

Zudem erwartet der Verband, dass die Kommunen im Dialog mit der Lokalwirtschaft Strategien für einen schonenderen Umgang mit Wasser entwickeln. An erster Stelle steht für Liebing dabei immer die öffentliche Wasserversorgung: "Erst Mensch und Tier, dann erst der Golfplatz."

Bund und Länder müssten den Wasserversorgern zunächst ausreichend Wasserrechte zur Verfügung stellen, um auch Dürreperioden zu überbrücken.

Vorsorge "nicht zum Nulltarif"

Wie es nicht laufen soll, erlebte in diesem Sommer die niedersächsische Gemeinde Lauenau. Dort lief im August plötzlich kein Wasser mehr aus den Hähnen – die bisher genutzten Quellen im Deister-Höhenzug reichten nicht mehr aus. Über einen tiefen Grundwasserbrunnen verfügt die Gemeinde nicht. Seit 2017 läuft dort das Verfahren, um eine entsprechende Bohrung zu genehmigen.

Der VKU spricht sich auch für einen Ausbau des bestehenden Klimaschutzmanager-Programms des Bundesumweltministeriums aus. Derzeit sorgen 80 kommunale Klimaschutzmanagerinnen und -manager dafür, dass auch die Wasserwirtschaft klimakonform agiert. Geht es nach dem Spitzenverband, soll ihr Aufgabenbereich über den Klimaschutz hinaus auf Klimaanpassung erweitert werden.

Nicht zuletzt erwartet der VKU eine solide Finanzierung. Vorsorge gebe es nicht zum Nulltarif, erklärte Liebing. Bund und Länder sollten ein "Sonderprogramm Klimavorsorge" auflegen. Das habe auch das Umweltbundesamt bereits empfohlen. Eine bundesweite Förderung sei wichtig, stellte der VKU-Chef klar, damit der Schutz vor den Folgen des Klimawandels keine Frage des Wohnorts werde.

Ein Vorzeigeprojekt gibt es schon im Ruhrgebiet: Die Industrieregion möchte zu einer "klimaresilienten Region mit internationaler Strahlkraft" werden. Der EGLV will dazu eine zentrale Organisation mit über 20 Mitarbeitenden schaffen, die Kommunen hilft, sich "wassersensibel" auszurichten.

"Die Herkulesaufgabe Klimaanpassung kann im verdichteten Ruhrgebiet nur gelingen, wenn Kommunen gemeinsame Konzepte und Lösungen erarbeiten", meinte EGLV-Chef Paetzel. Die Maßnahmen umfassen zum Beispiel Regenwasserversickerung, Flächenentsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung, aber auch Regenwasserzuführung zu Gewässern und das Einrichten von Überflutungsflächen. 250 Millionen Euro stehen zunächst für das Projekt bereit.

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