Bundeskanzler Merz mit einem großen Mikrofon vor einer Wand mit vielen CDU-Logos, er schaut skeptisch, fast ein wenig verständnislos.
Friedrich Merz rechnet die Verantwortung seines Landes gerne etwas kleiner. Nicht wenige haben ihn genau dafür gewählt. (Bild: Ryan Nash/​Shutterstock)

Ist Friedrich Merz ein Klimakanzler? Klar doch. Also eigentlich. Denn in der Haushaltsdebatte in dieser Woche im Bundestag bekannte er sich zu den Zielen des Pariser Weltklimavertrages.

Jeder weiß, darin haben sich alle Unterzeichnerstaaten, darunter Deutschland, verpflichtet, die globale Erwärmung möglichst nahe bei 1,5 Grad zu stoppen. Das Rest-Budget an CO2, das dafür noch ausgestoßen werden darf, ist klein, es muss also schnell gehandelt werden.

Hinzu kommt, die Industriestaaten mit ihrer langen Geschichte als Klimaeinheizer haben eine besondere Verantwortung, beim Einsparen von Treibhausgasen voranzugehen. Das liegt auf der Hand.

Offenbar aber nicht für Merz. Er betonte in nämlicher Debatte, Deutschland sei doch nur ein kleines Land, also auch nur ein kleiner Teil des Klimaproblems.

O-Ton: "Selbst wenn wir alle zusammen morgen klimaneutral wären in Deutschland, würde keine einzige Naturkatastrophe auf der Welt weniger geschehen, würde kein einziger Waldbrand weniger geschehen, würde keine einzige Überschwemmung in Texas weniger geschehen."

Das ist eine Argumentationsfigur, die man bei der AfD erwartet, aber doch nicht bei einem Klimakanzler von der Union.

Wenigstens ehrlich 

Sie ist ein Motivationskiller. Für den Rest der Welt – und für uns alle. Mit einer solchen Haltung könnten 188 der 197 Vertragsstaaten des Paris-Abkommens den Klimaschutz einstellen, alle nämlich, die so viel Treibhausgase wie Deutschland ausstoßen oder weniger.

Und was sollen wir als einzelne Bürger denken, die etwas tun, um CO2 einzusparen, und dafür Mühen auf uns und vielleicht auch viel Geld in die Hand nehmen?

Wir lassen es dann lieber bleiben. Motto: Was nützt unser kleiner Beitrag schon, wenn China weiter Kohlekraftwerke baut und Ölkonzerne neue Quellen erschließen?

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Man könnte sagen: Er ist wenigstens ehrlich, der Merz, mit dem Klima hat er's nicht so. Sein SPD-Vorgänger Scholz nannte sich selbst Klimakanzler, ließ aber zu, dass die Lindner-FDP den Job torpedierte.

Und von dessen Unions-Vorgängerin Merkel dachten alle, sie sei eine Klimakanzlerin, weil Physikerin, doch sie ließ sich immer von der fossilen Lobby einspannen, wenn es ernst wurde.

Da wird einem fast deren Vorgänger Schröder (SPD) sympathisch, der sich "Autokanzler" nannte, aber eine Öko-Steuerreform und ein Erneuerbare-Energien-Gesetz durchwinkte. Bei Merz ist so etwas derzeit nicht in Sicht.

Aber, wer weiß, die Hoffnung stirbt zuletzt. Das ist der einzige Trost.