Offshore-Ausbau: Richtige Ziele, falsche Anreize

Die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung für den Ausbau der Windenergie auf See sind vollkommen angemessen. Unverständlich ist jedoch, warum sie dafür ein Ausschreibungsmodell konstruiert hat, das diesem Anspruch nicht gerecht wird.


Windpark im dänischen Öresund, von oben gesehen.
Eine Vervierfachung bis 2030 plant die Bundesregierung bei der Offshore-Windkraft. (Foto: Stig Nygaard/​Flickr)

Das "Osterpaket" für Klimaschutz und Energiewende wurde vom Kabinett pünktlich vor Ostern beschlossen und der Öffentlichkeit präsentiert. Es ist nun viel klarer geworden, wie Deutschland die gigantischen Herausforderungen der Energietransformation meistern will. Die Dringlichkeit ist durch die Ukraine-Krise wesentlich erhöht worden, es ist höchste Eile geboten.

Erfreulich ist: Die neue Regierung hat anerkannt, dass Offshore-Windparks eine sehr wichtige Säule für den geplanten vollständigen Umstieg auf erneuerbaren Energien sind. Die Ziele stimmen.

Doch die Anreize für den Bau neuer Windräder auf See fehlen. Das neue Ausschreibungsmodell für Offshore-Parks muss nachgebessert werden, wenn Deutschland im europäischen Wettbewerb nicht das Nachsehen haben will.

Die Bundesregierung will die Offshore-Kapazität von heute rund acht Gigawatt bis 2030 auf 30 Gigawatt annähernd vervierfachen (siehe Grafik unten). Das ist dringend erforderlich.

Denn zu lange wurde die Meereswindkraft von der großen Koalition ausgebremst. Die "Altmaier-Lücke" trifft den deutschen Strommarkt derzeit mit voller Wucht. Und so müssen jetzt in nur acht Jahren 22 Gigawatt Windkraft auf See neu gebaut werden, die Hälfte davon wird im Jahr 2030 den Betrieb aufnehmen. Hinter diesem Plan steht ein Investitionsvolumen von 55 Milliarden Euro.

Neue Ziele, alte Fehler

Die ambitionierten Offshore-Ziele der Bundesregierung sind absolut angemessen. Unverständlich bleibt allerdings, warum die Regierung dazu ein Ausschreibungsmodell aufsetzt, das diesem Anspruch nicht gerecht wird.

Das anvisierte Modell unterscheidet zwischen Ausschreibungen für voruntersuchte Flächen sowie Ausschreibungen für nicht voruntersuchte Flächen. Die vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) voruntersuchten Flächen sollen mit Differenzverträgen (Contracts for Difference, CfD) ausgeschrieben werden. So weit, so gut.

Tortendiagramme: Der Ausbau der Windenergie auf See hat erst einen Bruchteil der längerfristigen Ziele geschafft.
Entwicklungsstand der Offshore-Windenergie in Deutschland, gemessen an den Zielen für 2030, 2035 und 2045. Dunkelblau: bereits installierte Kapazität. Hellgrau: geplante Ausschreibungen laut Flächenentwicklungsplan 2020. (Grafik: BWO, Daten: MaStR, BNetzA)

Die nicht voruntersuchten Flächen bleiben Parks vorbehalten, die keine Förderung erhalten, sondern sich über langfristige Lieferverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) refinanzieren. Hier wird als entscheidende Größe für den Zuschlag ein sogenanntes "Finanzielles Gebot" eingeführt. Wer den höchsten Betrag bietet, erhält den Zuschlag.

Ein solches Modell hatte bereits die Vorgängerregierung favorisiert, sie stieß damit aber auf Ablehnung bei der Wind-Industrie und ihren Kund:innen. Jetzt wurde die Idee dennoch recycelt.

Das neue Verfahren bevorteilt Bieter, die mit spekulativen Geboten um jeden Preis gewinnen wollen, auch oberhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten. Das mindert logischerweise die Realisierungswahrscheinlichkeit von kapitalintensiven Giga-Projekten und gefährdet die Offshore-Ziele der Regierung.

Hinzu kommt, dass die betroffenen Flächen jeweils den Bau von Zwei-Gigawatt-Offshore Windparks ermöglichen, eine Investition von je fünf Milliarden Euro. Derartig große Lose begünstigen wenige Großkonzerne und führen zur weiteren Konzentration und zur Abhängigkeit von einzelnen Firmen.

Knallharter Wettbewerb

Spätestens seit dem russischen Krieg in der Ukraine wollen auch unsere europäischen Nachbarn den Ausbau der Offshore-Windkraft beschleunigen. Bis 2030 möchte Großbritannien 39 Gigawatt neu ans Netz bringen, die Niederlande 19 Gigawatt, Dänemark sieben, Belgien und Polen jeweils sechs Gigawatt.

Das entspricht insgesamt einem Investitionsvolumen von 190 Milliarden Euro. Auch hier sollen die installierten Windräder größtenteils im Jahr 2030 in Betrieb gehen.

Deutschland steht also schon jetzt mit seinen europäischen Nachbarn in einem knallharten Wettbewerb um Offshore-Windräder. Der Markt für Entwicklung, Planung, Installation, Netzausbau und Hardware-Komponenten im Offshore-Bereich wird eng.

Dass in Deutschland mit einem einzigartigen Gebots-Verfahren herumexperimentiert wird, dürfte die Chancen auf Investitionen bei uns deutlich schmälern.

Die Einführung eines neuen Ausschreibungsmodells für Offshore-Parks, mit dem es keinerlei praktische Erfahrung gibt, kommt zur Unzeit. In den aktuellen Krisenzeiten gibt es keinen Spielraum für halbgare Experimente.

Das sollte auch die Ampel-Koalition erkennen und die im Gesetzentwurf der Regierung vorgesehenen Ausschreibungsregeln im neuen Wind-auf-See-Gesetz ändern.

Anstatt stupide ein Geldgebot abzugeben, sollten die Bieter Wege aufzeigen, wie sie sich an der Lösung wesentlicher praktischer Probleme der Energiewende beteiligen.

Offshore-Ausschreibungen neu ordnen

Das Ökoenergieunternehmen Lichtblick schlägt deshalb eine Neuordnung der Offshore-Ausschreibungen vor.

Anstelle des "finanziellen Beitrags" sollten dabei Investition in die Systemintegration oder in Technologieinnovationen – etwa die Integration von Stromspeichern – als Entscheidungskriterien für den Zuschlag eingeführt werden. Nicht das meiste Geld, sondern das beste Konzept sollte über den Zuschlag entscheiden. 

Sollte die Ampel-Koalition in einem ersten Schritt auf einem rein finanziellen Gebot bestehen, dann müsste dieses zumindest auf einen realistischen Betrag gedeckelt werden, fordert Lichtblick. Ansonsten würde ein hausgemachter Anstieg der Strompreise für Verbraucher:innen und Unternehmen drohen – denn das investierte Geld soll ja letztendlich über die Strompreise wieder zurückverdient werden.

Künftige Gebote sollten dann nach dem Vorschlag von Lichtblick eine maximale Kapazität von einem Gigawatt statt der geplanten zwei Gigawatt umfassen. Damit erhielte die Akteursvielfalt eine Chance und die wirtschaftlichen Risiken würden verringert.

Der niederländische Energiekonzern Eneco und seine deutsche Tochter Lichtblick setzen sich gemeinsam für eine erfolgreiche Energiewende in Europa und Deutschland ein und denken dabei über nationale Grenzen hinaus. Eneco ist ein erfahrener Investor und Betreiber von Offshore-Windparks in den Niederlanden und Großbritannien und kann sich künftig – gemeinsam mit Lichtblick – auch Investments in Deutschland vorstellen.

Es wäre eine vertane Chance, wenn in Deutschland ein gegenüber anderen europäischen Ländern nur begrenzt wettbewerbsfähiges Ausschreibungsmodell den Wettbewerb um Offshore-Windparkflächen für viele Akteure unattraktiv machen würde.

Dieser Beitrag wurde nicht von der Redaktion erstellt. Er ist in Kooperation mit der Lichtblick SE in der Rubrik Advertorials erschienen.

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