Alarmstufe Rot für die Sonnenenergie

Mit Milliarden haben die Stromverbraucher in Deutschland die ehemals teure Solarenergie zur preiswertesten und beliebtesten Form der Stromerzeugung gemacht. Dass die Bundesregierung den Ausbau auf vielerlei Art bremst, muss sofort aufhören, heißt es in der neuen Ausgabe des Newsletters "Lichtblick Aktuell".


PV-Anlage auf einem Hausdach
Dass die Solarstromerzeugung in Deutschland behindert statt massiv gefördert wird, ist unverständlich. (Foto: U. Leone/​Pixabay)

Im Umgang mit der Solarenergie herrscht wahrlich kein Mangel an politischem Hickhack. Zwar scheint die Gefahr, dass die Solarstromförderung an die Obergrenze von 52.000 Megawatt stößt und damit abrupt eingestellt wird, gerade abgewendet zu werden. Doch weiterhin ist völlig unklar, mit welchem Ausbaupfad und welcher Förderung es weitergehen soll.

Zudem fallen zum Jahreswechsel die ersten Solaranlagen nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung, ohne dass geklärt wäre, ob und wie diese Anlagen weiterbetrieben werden können.

Nicht zuletzt siecht der Mieterstrom dahin. Gestartet als Modell, das günstigen Solarstrom direkt in die Städte und zu den Mieterinnen und Mietern bringen soll, ist der Ausbau wegen falscher Rahmenbedingungen längst erlahmt.  

Verständlich ist all das nicht. Denn die Stromverbraucher in Deutschland haben Milliarden für die ehemals teure Solarenergie gezahlt. Mit enormem Erfolg: Solaranlagen sind heute die preiswerteste und beliebteste Form der Stromerzeugung. Den Ausbau gerade jetzt zu bremsen, ist unerklärlich, aber das faktische Ergebnis der Aussitzstrategie der Bundesregierung.

Beliebt und nicht mehr teuer

Solarstrom war mal teuer. Im Jahr 2009 wurde jede Kilowattstunde Solarstrom noch mit 43 Cent vergütet. Gleichzeitig begann der Preis für die Module erheblich zu sinken. Anstatt rasch die EEG-Vergütungssätze anzupassen, verfiel die damalige schwarz-gelbe Koalition jedoch in einen fruchtlosen Grundsatzstreit über das EEG.

Balkendiagramm: Der Photovoltaikausbau in Deutschland stieg von 2003 bis 2010 steil an, fiel von 2012 bis 2015 steil ab und stieg bis 2019 wieder an.
Die Entwicklung des Photovoltaikausbaus in Deutschland zeugt nicht von planvoller Politik. (Grafik: Lichtblick; Quelle: Bundesnetzagentur)

Das Ergebnis: Sinkende Anlagenpreise und weiterhin hohe EEG-Vergütung eröffneten plötzlich große Gewinne. Über 20.000 Megawatt Neuanlagen, fast die Hälfte der heute installierten Leistung, wurden im Zeitraum von 2010 bis 2012 gebaut (Grafik).

Die EEG-Umlage stieg daraufhin von zwei auf über fünf Cent pro Kilowattstunde. Bundesumweltminister Norbert Röttgen musste gehen, für ihn übernahm Peter Altmaier. Der strich die Photovoltaik-Förderung drastisch zusammen und setzte dem Boom ein Ende.

Seitdem dümpelt der Solarausbau dahin, obwohl die Erzeugungskosten inzwischen auf weniger als zehn Cent je Kilowattstunde gesunken sind. Die Sonne ist damit zur preiswertesten Stromquelle geworden (Grafik unten).

Von allen Stromerzeugungstechnologien ist die Photovoltaik am beliebtesten. Für knapp die Hälfte der Einwohner soll der Neubau-Schwerpunkt bei Dachanlagen liegen, für weitere 35 Prozent bei Freiflächenanlagen (Grafik ganz unten). Damit liegt die Solarenergie deutlich an der Spitze der Beliebtheit unter den erneuerbaren Energien. Noch mehr befürworten eine Solarpflicht für Neubauten.

Groko zögert, zaudert und verschleppt

Die große Koalition möchte die Photovoltaik-Kapazität in Deutschland bis 2030 auf knapp 100.000 Megawatt verdoppeln, benötigt würden jedoch mindestens 150.000 Megawatt.

Balkendiagramm: Die Erzeugungskosten für Solarstrom sind seit 2015 nochmals deutlich gesunken.
Die Erzeugungskosten für Solarstrom sind seit 2015 nochmals deutlich gesunken. (Grafik: Lichtblick; Quelle: Bundesnetzagentur)

Schlimmer noch: Die Bundesregierung hat den Sonnenstrom in die Sackgasse manövriert. Seit Oktober 2019 kündigt Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine Novelle des Mieterstromgesetzes an, ebenso lange wurde die Streichung des Solardeckels verschleppt.

Und es drängt die Zeit für eine umfassende Novelle mit neuen Regeln für die "Post-EEG-Anlagen", neuen Förderbedingungen und Ausbauzielen und mit der Umsetzung neuer, verbraucherfreundliche EU-Regelungen zur Eigennutzung von Solarstrom in deutsches Recht. Es ist höchste Zeit zu handeln. Doch passiert ist bisher nichts.

Weiterbetrieb unklar

Anfang 2021 fallen die ersten Solaranlagen aus der EEG-Förderung, bis 2025 werden 176.000 Anlagen mit mehr als 1.000 Megawatt Nennleistung folgen.

Nach derzeitiger Rechtslage dürfen Solaranlagen ihren Strom nach Ablauf des EEG-Förderzeitraums nicht länger ins Netz einspeisen. Den Strom selbst zu nutzen ist erlaubt, allerdings nur gegen Zahlung von 40 Prozent der EEG-Umlage – rund 2,7 Cent pro Kilowattstunde. Der restliche Strom muss direkt vermarktet werden.

Dieser Aufwand rechnet sich nicht bei den meist sehr kleinen Anlagen. Viele Betreiber werden ihre Solaranlage deshalb abbauen. Speisen sie weiter ins öffentliche Netz ein, riskieren sie ein Strafverfahren wegen unerlaubter Stromeinspeisung.

Zielanhebung, Marktprogramm, Solarpflicht

Nur ein Bündel von Sofortmaßnahmen kann die Solarenergie jetzt retten:

  • Unverzügliche Umsetzung der vereinbarten Abschaffung des Förderdeckels von 52.000 Megawatt sowie Anhebung des Photovoltaik-Ausbauziels auf 10.000 Megawatt jährlich.
  • Balkendiagramm: Solar-Dachanlagen sind die beliebteste Form der Ökostromerzeugung.
    Umfrageergebnis: Solar-Dachanlagen sind die beliebteste Form der Ökostromerzeugung. (Grafik: Lichtblick)
    Neues Marktprogramm für kleinere Dachanlagen bis 30 Kilowatt Nennleistung, zum Beispiel durch die Entlastung von der EEG-Umlage sowie den Abbau bürokratischer Hürden für die Nutzung des Stroms etwa als Mieterstrom.
  • Stärkung der Solarstromnutzung außerhalb des EEG, etwa durch auskömmliche Rahmenbedingungen für aus der Förderung fallende Altanlagen sowie eine Risikoabsicherung langfristiger Stromlieferverträge (PPA) mit neuen Photovoltaikanlagen.
  • Einführung einer Pflicht zur Solarenergienutzung auf neu gebauten Wohn- und Gewerbegebäude sowie Programme zur Solarnutzung auf allen Bundes- und Landesgebäuden.

Dieser Beitrag wurde nicht von der Redaktion erstellt. Er ist in Kooperation mit der Lichtblick SE in der Rubrik Advertorials erschienen.

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